Berlin : Krankenhaus Hedwigshöhe erweitert Neubau in Treptow kostete 53 Millionen Euro

Werner Kurzlechner

Vielleicht muss man katholisch sein, um auch in diesen Zeiten an das Gute im Gesundheitswesen zu glauben. Aus Georg Kardinal Sterzinsky jedenfalls sprach die Zuversicht des Gottesmannes, bevor er gestern die Stationskreuze für den Neubau des Krankenhauses Hedwigshöhe in Treptow segnete. „Das wäre ein merkwürdiges Krankenhaus, das jemals aufhört zu bauen“, sagte der Erzbischof von Berlin. Dabei schlossen seit 1990 in der Bundesrepublik 300 Häuser. Umso außergewöhnlicher ist die frische Pracht, in der die neue Klinik am Stadtrand erstrahlt. Die Alexianerbrüder als Träger sprechen stolz vom „modernsten Krankenhaus Berlins“. Bereits seit 1945 existierte der Vorgängerbau.

53 Millionen Euro kosteten der mit Holzlamellen verkleidete neue Hauptbau und die Pavillons, in denen die Psychiatrie untergebracht ist. Knapp 46 Millionen Euro steuerte der Senat bei, den Rest übernahmen die Alexianer. Nach mehr als fünf Jahren Bauzeit versorgen schon seit Herbst rund 50 Ärzte und 160 Pfleger Notfälle und andere Patienten im neuen Trakt. In den vergangenen Monaten hat das Krankenhaus auch den baulichen Feinschliff erhalten und wurde mit dem von Sterzinsky gehaltenen Gottesdienst nun offiziell eröffnet. Die Zahl der Betten in dem Haus in Bohnsdorf stieg von 108 auf 350. Damit ist ein notorischer Engpass vor Ort behoben.

Die Patienten sind jetzt nicht mehr in graue Vierbettzimmer gepfercht, sondern liegen höchstens zu zweit in den Räumen. Sie können sich an lichten Farben und großzügiger Architektur erfreuen. In der Patientenbefragung des Tagesspiegels erhielt die Hedwigshöhe für ihren Zimmerkomfort berlinweit die beste Note. Auch technologisch ist das Haus auf dem neuesten Stand. So landen zum Beispiel Röntgenbefunde aus der Klinik sofort übers Internet beim Hausarzt.

Es brauchte einen langen Atem, bis das von der Politik bereits 1991 in die Wege geleitete Projekt gestemmt war. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat sich zum Ziel gesetzt, dass Krankenhausneubauten künftig einen kürzeren Vorlauf in Anspruch nehmen. Ihr Staatssekretär Benjamin Hoff sagte zur Einweihung der Hedwigshöhe, das Thema stehe kommende Woche auf der Agenda einer Senatsklausur.

Alexianer-Geschäftsführer Reinhard Nieper zeigte sich froh, düsteren Prognosen von Wirtschaftsprüfern mit christlichem Tatendrang getrotzt zu haben. Vor zehn Jahren empfahlen zwei Gutachten, den Standort zu räumen: „Die wirtschaftliche Lage sei desolat und eine positive Zukunft nicht zu vermuten“, erinnerte Nieper gestern an die Expertenmeinung. Werner Kurzlechner

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