Berlin : Krankenhaus Moabit: Klinik soll zerstückelt werden

Amory Burchard

Die Krankenkassen wollen das Krankenhaus Moabit bis zum 31. März 2002 abwickeln und dort ein Gesundheitszentrum aufbauen. Das sagte gestern Karl-Heinz Resch, DAK-Vorstand und Sprecher der AG der Krankenkassenverbände. Über ambulante Einrichtungen wie eine Rettungsstelle und ein Rehazentrum für Krebspatienten soll jetzt verhandelt werden. Mit der Schließung könnten die Kassen jährlich bis zu 85 Millionen Mark sparen. Stationäre Akutbetten stünden nicht zur Diskussion. Der Geschäftsführer der Diakonie-GmbH, Weert Flemmig, sagt dagegen, eine Perspektive für ein Gesundheitszentrum könne nur mit stationären Betten realisiert werden. "Null Betten - das machen wir nicht mit." Die Gesellschafterversammlung beschloss gestern, die Klage gegen den Schließungsbescheid des Landes Berlin nicht zurückzuziehen.

Am Montag hatte der ärztliche Direktor Paul Gerhard Fabricius gesagt, die Klage werde wahrscheinlich nicht aufrecht erhalten. Die Kassen weigerten sich, Leistungen nicht zu zahlen, wenn die Klinik bei ihrer Schließung nicht mitwirke. Schon die Zahlung der acht Millionen Mark Abschlag auf die Kassen-Schulden von 23 Millionen Mark sei an das Wohlverhalten der Klinik gekoppelt. Gestern nun bezeichnete Flemmig Fabricius Äußerungen als dessen "Privatmeinung". Denkbar sei allenfalls ein "Vergleich" mit den Krankenkassen - "ein Gesundheitszentrum mit vollstationären Betten".

Die Krankenkassen gehen heute Abend mit einem anderen Plan an den zweiten Runden Tisch bei Gesundheitssenatorin Gabriele Schöttler: Bis zum 31. März 2002 solle Moabit "Stufe um Stufe runtergefahren werden", sagt DAK-Vorstand Resch. Um möglichst viele der 964 Vollzeitstellen (insgesamt sind es rund 1400) zu sichern, solle unverzüglich eine Personalvermittlung auf das Klinik-Gelände ziehen und dort Ärzte, Pflegepersonal, Mitarbeiter aus Labors und Küchen beraten. Krankenhäuser und Pflegeheime hätten bereits Interesse angemeldet. Außerdem sollen Dienstleister wie die Firma Gegenbauer angesprochen werden. Auf dem Gelände an der Turmstraße könnten außer der Rettungsstelle und sonstigen ambulanten Einrichtungen auch ein Pflegeheim entstehen. Außerdem könnte dort eine zentrale Krankenfplegeschule der Berliner Krankenhaus-GmbH NET GE eröffnet werden. Die Finanzierung der vorhandenen Moabiter Schule mit 3,5 Millionen Mark im Jahr sei von den Kassen schon jetzt fest zugesagt.

Schließlich sollen die Onkologie, die Strahlentherapie, die Naturheilverfahren und die Psychiatrie verlagert werden. Dies koste 30 Millionen Mark, die dem Budget der Krankenhäuser Friedrichshain, Immanuel und St. Hedwig zugeschlagen werden. Auch in dieser Frage ist der Konflikt mit den Kassen nicht ausgeräumt. Solange das Gericht nicht über die Klage gegen die Schließung entschieden habe, werde niemand über die Verlagerung der Abteilungen verhandeln, sagt Weert Flemmig.

Die 14 000 Patienten, die in Moabit behandelt werden, sollen unter anderem ins DRK Westend, ins Martin-Luther-, Elisabeth-Diakonissen-, St. Hedwig- und ins Jüdische Krankenhaus verlegt werden, erklärt Resch. Diese Häuser könnten Zuschläge auf ihre Budgets erhalten. Trotzdem rechnen die Kassen mit einer jährlichen Einsparung von 85 Millionen Mark. Gegenwärtig hat Moabit ein Budget von 130 Millionen Mark.

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