Berlin : Krankenhaus Moabit wird wiederbelebt

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Von Ingo Bach

Moabit. Das Nachnutzungskonzept für das ehemalige Krankenhaus Moabit steht in seinen Grundzügen fest. Das sagte Gesundheitsstaatssekretär Hermann Schulte-Sasse dem Tagesspiegel. Jetzt sucht die Senatsgesundheitsverwaltung nach einem Betreiber für das Gelände, auf dem eine heterogene Mischung von Mietern aus dem Gesundheits- und Sozialbereich unterkommen soll. Die Ausschreibung für einen Geländemanager werde in Kürze auf den Weg gebracht, erklärte Schulte-Sasse. Im nächsten Jahr soll dann das medizinisch-soziale Zentrum eröffnet werden.

Im Haupthaus des Klinikgeländes an der Moabiter Turmstraße soll ein Pflegeheim für Demenzkranke eingerichtet werden. Der Bedarf für eine derartige Betreuungsstation steige angesichts der überalterten Gesellschaft in Zukunft rasant an, sagen Fachleute. Da das Moabiter Gelände ummauert ist und außerdem einen kleinen Park aufzuweisen hat, sei es für die Pflege von Demenzkranken gut geeignet.

Auch das Kuratorium für Heimdialyse, das hier bereits eine Praxis zur Blutwäsche betreibt, möchte in das Bettenhaus einziehen. Derzeit versorgt das Dialyse-Zentrum rund 100 Patienten, ab Sommer sollen es doppelt so viele sein. Dafür reiche das alte Gebäude nicht mehr aus, sagt der ärztliche Leiter des Dialysezentrums, Rolfdieter Krause. Interesse am Standort signalisiert die Wannseeschule, die derzeit in Zehlendorf für zehn Berliner Krankenhäuser Pflegepersonal ausbildet. In Moabit existiert zwar bereits eine Pflegeschule der Diakonie, die jedoch nach dem Durchlauf der letzten Klasse im September 2003 aufgegeben wird.

Hierher möchte die Wannseeschule ihre Ausbildung verlagern. „Wenn, wie vom Senat signalisiert, weitere Krankenhäuser bei uns ausbilden lassen", schränkt die Leiterin der Schule, Anne Frickhinger-Breithaupt, ein. Für die jetzt 180 Schüler reiche der Platz am Wannsee aus. „Spätestens bei 240 Plätzen wäre aber Schluss, und wir müssten umziehen", sagt die Schulleiterin.

Eine besondere Herzensangelegenheit des Staatssekretärs für das Gesundheitswesen ist ein Ärztehaus für ausländische Ärzte, das er gern in Moabit ansiedeln möchte. Dessen Kristallisationspunkt soll die Praxis einer türkischen Allgemeinmedizinerin in der Klinik sein, die sich bereits einer regen Nachfrage erfreue, sagt Schulte-Sasse. „Viele türkische Frauen gehen nur sehr ungern zu deutschen Medizinern. Die Kultur- und Schamgrenze ist einfach zu hoch." Deshalb sei ein solches Arztzentrum mit verschiedenen Fachrichtungen für die ausländische Patienten ein wichtiges Angebot.

Ein weiteres Gebäude soll zu einem Zentrum für Frührehabilitation und einem Wellnesscenter umgestaltet werden. Die dafür nicht benötigten Betriebsflächen will der Senat dabei über den Liegenschaftsfonds des Landes veräußern.

Das Krankenhaus Moabit war zum 31. Oktober letzten Jahres endgültig geschlossen worden, die Gegenwehr der einst 800 Mitarbeiter blieb letztlich erfolglos. Mit dem radikalen Schnitt wollte der Senat Geld sparen. Seitdem stehen große Teile des Gebäudekomplexes leer. Doch drei Fachabteilungen - Psychiatrie, Strahlentherapie und Onkologie - sind im Krankenhaus Moabit vorübergehend noch geöffnet, bis sie in anderen Krankenhäusern unterkommen.

Die meisten Patienten haben sich inzwischen andere Krankenhäuser gesucht. Der befürchtete Ansturm auf die anliegenden Arztpraxen, verbunden mit langen Wartezeiten für die Patienten, ist jedoch ausgeblieben. „Wir verzeichnen keinen exorbitanten Anstieg", sagt der Berliner Ärztekammerpräsident Günther Jonitz.

Eigentlich sollte ein Nachnutzungskonzept für das zur Konkursmasse gewordene Ex-Krankenhaus gar nicht nötig sein. Denn das Bundeswehrkrankenhaus, dem sein Haus an der Scharnhorst zu klein geworden ist, sollte in das bereits für rund 100 Millionen Mark sanierte Moabiter Haus einziehen. „Aber die Bundeswehr gab uns einen Korb", heißt es bedauernd aus der Gesundheitsverwaltung. Dabei habe das Bundeswehrkrankenhaus dieselben Begründungen angeführt, die es jetzt auch nennt, um nicht in das Bettenhochhaus der Charité, den neuen Standort, einziehen zu müssen: Baufälligkeit, mangelnde Sicherheit, zu wenig Platz. Die vielen kleinen Interessenten an Moabit freut das Nein des großen Konkurrenten.

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