Berlin : Krankenkassen zögern mit Beitragssenkungen

Ab Sommer sind sie gezwungen, billiger zu sein. Doch gleichzeitig müssen alle Arbeitnehmer dann mehr für Zahnersatz zahlen

Ingo Bach

Die großen in Berlin vertretenen Krankenkassen senken trotz Milliardengewinnen im vergangenen Jahr ihre Beiträge noch nicht. Erst ab Sommer werden die Kassen billiger – die meisten aber nur, weil sie dann gesetzlich dazu gezwungen sind. Durch die Gesundheitsreform müssen die Kassen zum 1. Juli 2005 den je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gezahlten Beitrag um 0,9 Prozentpunkte verringern. Doch gleichzeitig müssen alle Arbeitnehmer allein künftig einen neuen, zur Finanzierung des Zahnersatzes eingeführten Beitrag in Höhe von 0,9 Prozent des Bruttolohnes aufbringen – de facto zahlen sie also 0,45 Prozentpunkte mehr.

Nur wenige Kassen gehen über die gesetzlich vorgeschriebene Senkung hinaus, obwohl sie durch die geänderten Zuzahlungsregeln hohe Gewinne einfuhren. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) plant, den Beitrag zum 1. Juli um 1,1 bis 1,2 Prozentpunkte zu reduzieren, „von 14,7 auf bis zu 13,5 Prozent“, sagt Rüdiger Scharf, DAK-Sprecher für Berlin und Brandenburg. In beiden Ländern hat die Kasse 460 000 Versicherte. Auch die Barmer Ersatzkasse will ihre Mitglieder entlasten. „Vor dem Komma soll mindestens eine Eins stehen“, sagt Landesgeschäftsführer Hermann Schmitt. Also 0,1 Prozentpunkte mehr, als gesetzlich gefordert. Derzeit zahlen die 510 000 Barmer-Mitglieder in der Region 14,7 Prozent ihres Bruttolohnes an die Kasse. Die Innungskrankenkasse Berlin und Brandenburg will ihre Beiträge „moderat senken“, sagt Sprecherin Gisela Köhler. Man rechne mit zusätzlich 0,2 Prozentpunkten für die 160 000 Mitglieder – von 14,5 auf 13,4 Prozent.

Dagegen sieht die Techniker Krankenkasse – in Berlin und Brandenburg hat sie rund 360 000 Mitglieder – kaum Spielraum für eine über das Gesetz hinausgehende Senkung. „Wir haben schon einen sehr niedrigen Beitrag von 13,7 Prozent“, sagt TK-Sprecher Detlef Natusch.

Auch die mit rund 200 000 Mitgliedern größte Berlin-Brandenburger Betriebskrankenkasse, die BKK der Verkehrsbauunion, hat nach Worten ihrer Vorstandschefin Andrea Galle keinen Spielraum, den Beitrag von jetzt 13,9 Prozent um mehr als 0,9 Punkte zu reduzieren.

Wie es bei der größten Krankenkasse der Hauptstadt – die AOK Berlin hat rund 700 000 Versicherte – weitergeht, entscheidet sich im Juni. Ob eine über 0,9 Prozentpunkte hinausreichende Senkung des jetzigen Beitrages von 15,5 Prozent möglich ist, sei noch nicht absehbar, sagt Sprecherin Gabriele Rähse.

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