Berlin : Krebsrisiko Großstadt: 13 000 Erkrankungen im Jahr

Die Zahl der bösartigen Tumore ist in Berlin besonders hoch. Am Wochenende können Interessierte den Krebskongress im ICC besuchen

Ingo Bach

Für die Betroffenen ist diese Diagnose oft ein Schock: Krebs. Viele der verschiedenen Tumorarten bedeuten noch immer ein Todesurteil oder aber einen monatelangen Klinikaufenthalt. Jahr für Jahr registriert das Gemeinsame Krebsregister der ostdeutschen Länder rund 13 000 Menschen, die allein in Berlin neu an einer bösartigen Geschwulst erkranken. Und jedes Jahr sterben fast 8000 Berliner an dieser tückischen Erkrankung – zum Teil nach einem jahrelangen Martyrium.

Mancher Tumor trifft besonders häufig Großstädter. Auf dem ersten offenen Krebskongress, der heute im Charlottenburger ICC beginnt (siehe Kasten) wird man sicher auch über den Lungenkrebs diskutieren, ist er doch unter Männern – neben dem Prostata-Karzinom – die häufigste Krebserkrankung. Aber es trifft auch immer mehr Frauen. In Berlin registriert das Krebsregister jährlich rund 1700 neue Patienten, in deren Lunge eine Tumor wuchert. „Die Zahlen von neu diagnostiziertem Lungenkrebs sind hier im Vergleich zu ländlichen Gebieten besonders hoch“, sagt Roland Stabenow vom Gemeinsamen Krebsregister.

Ist es die Luftverschmutzung? Laut dem Berliner Gesundheitsbericht 2004 gehen Experten davon aus, dass die Luftqualität und die Zahl der Krebserkrankungen zusammenhängen. Schon eine jährliche Durchschnittsbelastung von 1,5 Mikrogramm Dieselruß pro Kubikmeter Luft verursache einen Krebsfall pro 2500 Einwohner. Bei einer Belastung von 3,8 Mikrogramm Dieselruß errechneten die Experten sogar einen zusätzlichen Krebsfall auf 1000 Einwohner. Der gesetzliche Grenzwert dafür liegt derzeit aber noch bei acht Mikrogramm.

Laut den Messdaten der Berliner Umweltverwaltung wird selbst dieser hohe Grenzwert an drei Stellen in Berlin nach wie vor überschritten, auch wenn die Werte tendenziell zurückgehen. So lag an der Leipziger Straße in Mitte die Rußbelastung im Jahresmittel 2003 bei 8,7 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – der Spitzenwert von 42 Messstellen an Berlins Straßen. An der Karl-Marx- Straße in Neukölln lag die Belastung bei 6,4 Mikrogramm, am Klinikum Buch waren es dagegen nur 1,6 Mikrogramm, der beste Wert in Berlin.

„Die häufigere Ursache für Lungenkrebs ist aber das Rauchen“, sagt Roland Stabenow vom Krebsregister. So heißt es im Gesundheitsbericht, dass im Jahr 2003 fast 660 Todesfälle durch Lungenkrebs vermeidbar gewesen wären, hätten die Betroffenen das Rauchen unterlassen.

Auch die Zahl der Neuerkrankungen an Brustkrebs – in Berlin sind das jährlich mehr als 1600 Frauen – „liegt im Vergleich zum platten Land höher“, sagt Stabenow. Obwohl die Ursachen für diese bei Frauen häufigste Krebsart noch nicht ausreichend erforscht sind.

Ab 2006 könnte sich daran etwas ändern. Dann sollen auch in Berlin alle Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren regelmäßig zur Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung. Allerdings sind diese aufwändigen und teuren Untersuchungen umstritten. Während manche Wissenschaftler erwarten, damit die Zahl der Todesfälle – in Berlin sterben jährlich rund 600 Frauen daran – um ein Drittel senken zu können, sagen andere, es gebe für diese Annahmen keinen wissenschaftlichen Beweis.

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