Berlin : Kreisel trudelt weiter

Auszug letzter Rathaus-Abteilungen wohl erst 2008 Miteigentümer klagt gegen das Land Berlin

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Vermutlich länger als erwartet wird das Steglitzer Kreisel-Hochhaus in Betrieb bleiben. Die für November 2007 angekündigte Räumung des asbestbelasteten Rathauses dürfte nach Ansicht der Finanzverwaltung kaum zu schaffen sein. Sie rechnet damit, dass die letzten Abteilungen erst im Frühjahr 2008 ausziehen, weil die neuen, dezentralen Quartiere noch nicht bezugsfertig sind. Das hatte in den letzten Tagen auch der „Flurfunk“ des Rathauses von sich hören lassen.

Nach dem Auszug der letzten Dienststellen aber stünde dem Beginn der Asbest-Beseitigung im Verlauf des nächsten Jahres nichts mehr im Weg, sagte gestern der Sprecher von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), Matthias Kolbeck. Wenn das Hochhaus saniert sei, hätte es vermutlich bei einem erneuten „Interessenbekundungsverfahren“ für Investoren auch bessere Verkaufschancen, sonst könnte das Gebäude auch abgerissen werden. Büroräume an diesem Ort brauche das Land Berlin jedenfalls nicht mehr.

Christian Kube vom Unternehmen Becker & Kries, dem der bereits asbestsanierte Flachbautrakt gehört, bestätigte, dass die Firma eine Klage beim Amtsgericht eingereicht hat. Es gehe um die „Wahrung des Rechtsstandpunktes“ und die Einhaltung von Verträgen mit dem Land als Miteigentümer. Mehr als eine Asbestsanierung sei nicht beschlossen, das Land müsse aber auch die Fassade herstellen und sicherstellen, dass das Hochhaus „weiterhin genutzt wird“. Dem Land fehle aber ein entsprechendes Konzept.

Nach Ansicht von Becker & Kries sollte möglichst wieder das Rathaus einziehen – was auch der Bezirk will. Die Finanzverwaltung wiederum ist der Ansicht, dass sie rechtlich auf der sicheren Seite sei und sich vom Miteigentümer eine Nutzung des Kreisels durch das Land „nicht aufzwingen lassen darf“. Wie berichtet, hatten sich im letzten Jahr der Finanzsenator und die Firma auf einen Kompromiss geeinigt, das Hochhaus abzureißen und das Grundstück ganz Becker & Kries zu übergeben. Einschließlich einer Pauschalsumme von zehn Millionen Euro für Geschäftseinbußen hätte das Land für Asbestanierung und Abriss 35 Millionen Euro ausgegeben. Der Senat stimmte dagegen. Am kommenden Mittwoch wird sich der parlamentarische Bauauschuss mit dem Kreisel beschäftigen. Der Vorsitzende Manuel Heide (CDU) fürchtet bereits eine Bauruine, einen zweiten Palast der Republik. „Keiner weiß, wie es mit dem Kreisel weitergeht.“ C. v. L.

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