Kreißsaal-TV : Vivantes droht hohe Vertragsstrafe

Nach dem Stopp durch den Senat wollen die Klinik und der Fernsehsender RTL die Dreharbeiten für "Babyboom - Willkommen im Leben" retten. Ansonsten könnte die Produktionsfirma pro ausgefallenem Drehtag Schadenersatz in fünfstelliger Höhe fordern.

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Müssen Babys vor den RTL-Kameras beschützt werden? Der Berliner Senat setzt sich jedenfalls dafür ein.
Müssen Babys vor den RTL-Kameras beschützt werden? Der Berliner Senat setzt sich jedenfalls dafür ein.Foto: dpa

Die Absage der Dreharbeiten auf der Entbindungsstation des Klinikums am Friedrichshain könnte für den städtischen Krankenhauskonzern Vivantes teuer werden. Nach Informationen des Tagesspiegels könnte die Produktionsfirma Shine Germany pro ausgefallenem Drehtag Schadenersatz in fünfstelliger Höhe fordern. Denn noch sind die Kameras installiert, die das Geschehen rund um die Geburten auf der Station für das neue RTL-Format „Babyboom – Willkommen im Leben“ aufzeichnen sollen – und das Filmteam steht bereit. Dadurch entstehen der Produktionsfirma erhebliche Kosten, auch wenn nicht gearbeitet wird.

Wie berichtet, hat der Senat am Dienstag Vivantes angewiesen, den Dreh vorläufig auszusetzen. Man sah die Persönlichkeitsrechte der Kinder und der Beschäftigten im Krankenhaus in Gefahr. Nach den Vorstellungen von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU), der erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben hegt, sollte sich der Vivantes-Aufsichtsrat am 20. März mit dem Thema befassen und entscheiden, ob es bei der Absage des Fernsehprojekt bleibt. Inzwischen ist es aber auch denkbar, dass eine Sondersitzung des Aufsichtsrats zu einem früheren Zeitpunkt stattfindet.

Offiziell wollte sich gestern niemand zum Thema Vertragsstrafe äußern. Sowohl RTL als auch die Produktionsfirma haben großes Interesse daran, doch noch die Dreharbeiten weiterführen zu können. Auch Vivantes ist weiterhin von dem Projekt überzeugt und hält es für seriös. Der Produzent hat jetzt Czaja und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) als Eigentümervertreter eingeladen, „sich persönlich ein Bild über das international erfolgreiche und preisgekrönte Format zu machen und sich umfassend zu informieren“, teilte RTL mit. Ähnliche Sendungen seien bereits in Großbritannien, Frankreich, Spanien und den USA mit großem Erfolg und guten Kritiken gelaufen.

In einem abgegrenzten Bereich der Geburtsstation sind seit zwei Wochen 27 Kameras fest aufgebaut, zudem können Kameraleute das Geschehen mit mobilen Geräten filmen. Alle Eltern haben laut Vivantes ihre Einwilligung gegeben. Und auch Schwestern, Hebammen oder Ärzte würden nicht gegen ihren Willen gefilmt. Ein Sendetermin für „Babyboom“ steht noch nicht fest.

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