Berlin : Krematorien werden Landesbetrieb

Unter einem Dach sollen die beiden Anlagen wirtschaftlicher geführt werden

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Die Krematorien in Ruhleben und am Baumschulenweg werden zukünftig in Landesregie geführt. Bisher wurden beide Einrichtungen von den Bezirken CharlottenburgWilmersdorf und Treptow-Köpenick betreut, aber das war eine kostspielige Angelegenheit. Die Einäscherung der Toten wird in Berlin 2005 mit 700000 Euro staatlich subventioniert.

Das soll anders werden, wenn die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beide Krematorien ab 1. Januar 2006 unter einem Dach unterhält und betreibt. Der Senat erhofft sich davon kostensparende Synergieeffekte. Das hätte man auch schon früher haben können, aber mit seinen Krematorien hat Berlin keine glückliche Hand. Früher gab es noch eine dritte Anlage in Wedding, die 2001 für 5,4 Millionen Euro saniert und Ende 2002 stillgelegt wurde, weil die bezirklichen Krematorien nur noch zur Hälfte ausgelastet waren.

Mit einem anspruchsvollen Neubau – der Architekt Axel Schultes hat auch das Kanzleramt entworfen – machte sich die öffentliche Hand nämlich selbst Konkurrenz. Die repräsentative Einrichtung in Treptow-Köpenick wurde 1999 eröffnet. Der Bau kostete 31 Millionen Euro und wurde deshalb fremdfinanziert. Das belastet den Berliner Landeshaushalt bis 2029 mit jährlich 2,1 Millionen Euro für Zins und Tilgung.

Das Krematorium am Baumschulenweg lässt sich deshalb auch nicht privatisieren. Die finanzielle Sonderlast schreckt Kaufinteressenten ab. Stattdessen entsteht in Hennigsdorf, nördlich der Stadtgrenze, ein privates Krematorium, das zusätzliche Nachfrage aus Berlin abziehen wird. Jetzt schon wird jeder dritte Tote, der in Berlin beigesetzt wird, außerhalb der Stadt eingeäschert. Zum Beispiel in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern; bald auch in Brandenburg.

Angesichts dieser Situation prangerte der Landesrechnungshof nicht nur die unnötige, teure Sanierung in Wedding an, sondern forderte schon 2001 einen wirtschaftlicheren Betrieb der Berliner Krematorien. Das Abgeordnetenhaus beauftragte daraufhin den Senat, einen Landesbetrieb zu gründen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schlug stattdessen im Mai 2002 vor, einen Bezirk für den Betrieb beider Anlagen verantwortlich zu machen.

Darauf gingen die in Frage kommenden Bezirksämter aber nicht ein. Notgedrungen erklärte sich die Senatsverwaltung im Dezember 2004 bereit, die Krematorien unter ihre Fittiche zu nehmen. Im Februar 2005 bekräftigte das Parlament seinen Beschluss, einen Landesbetrieb zu bilden. Gestern segnete der Senat dieses Konzept ab. Es wird nun dem Rat der Bürgermeister zugeleitet und anschließend endgültig beschlossen. za

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