Berlin : Kreuz mit dem Gedenken

Alexandra Hildebrandt, Chefin desMauermuseums, bringt mit ihrem Mahnmal die Stadt gegen sich auf

Thomas Loy

Die Chefin des Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, hat am Checkpoint Charlie ihren bisher größten Coup gelandet: eine private Gedenkstätte für die Opfer der deutschen Teilung. 1065 Holzkreuze lässt sie derzeit entlang der Zimmerstraße aufstellen, jedes drei Meter hoch und mit den Daten von Maueropfern beschriftet, versteckt hinter einem ebenfalls neu errichteten Duplikat der Berliner Mauer. Senat und Bezirk sparen nicht mit Empörung: Bezirksbürgermeister Zeller spricht von einer „Posse“. Von den Holzkreuzen habe man nichts gewusst, und bei der neu errichteten Mauer gebe es eine schriftliche Zusicherung, dass sie bis zum Ende des Jahres wieder verschwindet. Stadtentwicklungssenatorin Inge Junge-Reyer kritisiert die Aktion als „Trivialisierung des Gedenkens“ und prüft rechtliche Schritte.

Doch Alexandra Hildebrandt hat ihren Coup geschickt vorbereitet: Das Gelände, auf dem die Holzkreuze stehen, gehört der Berliner Volksbank. Das Mauermuseum hat das Areal bis Ende des Jahres gepachtet und will es nun kaufen. Die Volksbank hält sich in dieser Angelegenheit bedeckt. Auch Frau Hildebrandt wollte gestern dazu lieber nichts sagen.

Die Museumschefin hat es immer wieder geschafft zu überraschen – und zu provozieren. Alexandra Hildebrandt, die seit dem Tod des Museumsgründers Rainer Hildebrandt im Januar 2004 das Museum führt, ist eine begnadete Öffentlichkeitsarbeiterin ihrer Interessen. Im Juni ließ sie das Kontrollhäuschen auf der Straße vor dem Museum mit einer blauen Plane verhüllen, weil sich Schauspielstudenten ohne ihre Zustimmung, verkleidet als DDR-Grenzsoldaten, vor der historischen Kulisse für Touristen fotografieren ließen. Nur widerwillig, nach einem Ultimatum des Senats, ließ sie die stadtverschandelnde Plane wieder entfernen. Mit dem Bundesfinanzministerium streitet sie außerdem seit Jahren über die an der Fassade angebrachten Fototafeln mit Motiven zum Arbeiteraufstand von 1953.

Nun also 1065 Holzkreuze, laut Hildebrandt bewusst im Stile des Holocaust-Denkmals angeordnet –  eine Gleichsetzung, die von Junge-Reyer verurteilt wird. „Da ist eindeutig eine Grenze überschritten“, sagt ihre Sprecherin Manuela Damianakis. Aus dem Museum dringt keine Kritik nach außen. „Das Vorgehen ist mit der Arbeitsgemeinschaft  abgestimmt“, sagt Vereinsmitglied Rainer Schubert.

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