Berlin : Kreuzberg: Am alten Osthafen soll eine neue Speicherstadt entstehen

C. v. L.

An große Speicher sollen die Neubauten erinnern, die das Unternehmen Wert-Konzept für 150 Millionen Mark am ehemaligen Osthafen unweit der Oberbaumbrücke errichten will. Gegenüber den Friedrichshainer Spreespeichern, von denen einer ab Juli 2002 vom Medienunternehmen Universal bezogen wird, ist ein rotverklinkerter Gebäudekomplex geplant, der möglichst auch Medienfirmen, Wohnungen, "kleinteiligen Einzelhandel" und ein Hotel mit 180 Zimmern unterbringen soll.

"Neue Spreespeicher - Cuvryhof" heißt das Projekt, dessen Bebauungsplan gestern im parlamentarischen Bauausschuss erörtert wurde. Ein "Kontorhaus" soll es sein, hanseatisch wirken. In Kürze will man bereits Bauanträge stellen, die Eröffnung ist im Jahr 2003 vorgesehen. Das dreiseitige, achtstöckige Gebäude wird sich mit einem großen Hof zur Spree öffnen, zu einer Seite etliche Altbau-Brandwände abdecken, zur anderen auf einer Länge von 146 Metern die Cuvrystraße flankieren und die Baulücke an der Schlesischen Straße schließen. In diesem Bereich soll ein Drei-Sterne-Hotel entstehen, der Hof wird hier mit Glas überdacht. Zur Spree auf der anderen Seite wird eine breite Treppe führen; neben einem öffentlichen Uferweg ist eine Anlegestelle für möglicherweise solarbetriebene Wassertaxis geplant, die zwischen beiden Seiten verkehren. Entscheidend für das Bauprojekt sei der Mietvertrag mit Universal, sagte Geschäftsführer Matthias Zipser. "Deren Ansiedlung ist ein Segen". Andere Medienfirmen zeigten sich an benachbarten Büros interessiert, und man rechne mit 20 bis 25 Unternehmen, die sich in der neuen Speicherstadt niederlassen wollten.

Das rund 10 000 Quadratmeter-Grundstück ist derzeit eine der größten Baulücken im Gebiet. Vor fast zehn Jahren hatte die Botag das Grundstück erworben, um das umstrittene "Cuvry-Center" zu errichten. Großflächiger Einzelhandel war geplant, es gab Konflikte mit ansässigem Gewerbe, mit Anwohnern, mit dem Bezirk. Drei vorgesehene Parkdecks mit fast 600 Stellplätzen fanden ebenso wenig Gefallen wie die etwas zusammengewürfelt wirkende Architektur. Das Projekt war Anfang des Jahres planungsrechtlich abgesichert, aber die für die Botag verantwortliche Unternehmensgruppe IVG bat ihre Tochter Wert-Konzept als Projektentwickler, das Vorhaben noch einmal städtebaulich zu bewerten. Das Urteil lautete: nicht empfehlenswert.

Die Wert-Konzept empfahl dafür ihren eigenen Entwurf des Büros Reinhard Müller; eine Mischung aus alter Speicher- und moderner Architektur mit neuzeitigen, variablen Nutzungsmöglichkeiten. Aus 9000 Quadratmetern Einzelhandel sollen nun höchstens 3200 werden, die Garage mit 220 Plätzen wird in die Tiefe verbannt, Gastronomie und Gewerbe sollen bis zu 1300, Officelofts bis zu 23 500 Quadratmeter beanspruchen. Wohnungen werden in den drei oberen Sattelgeschossen entstehen.

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