Kreuzberg : Anwohner protestieren gegen Bus der Drogenhilfe

Eine Haltestelle des Drogenhilfe-Busses ist in die Nähe einer Kreuzberger Kita verlegt worden. Die Anwohner haben Angst vor den Süchtigen, die im Wagen betreut werden.

Stephanie Kirchner
Mobile Praxis. Im Bus hilft Sozialarbeiterin Nora Bauermann weiter. Foto: Paul Zinken
Mobile Praxis. Im Bus hilft Sozialarbeiterin Nora Bauermann weiter.Foto: Paul Zinken

„Fixmobil ja. Aber warum vor Kinder- und Senioreneinrichtungen? Kreuzberg ist groß!“ steht auf einem Schild im Fenster der Senioren-Wohngemeinschaft für Demenzkranke am Kottbusser Tor. Der Spruch scheint vielen Kreuzberger Anwohnern aus der Seele zu sprechen. Die Verlagerung der beiden sogenannten „Fixpunkt-Mobile“ für die gesundheitliche Versorgung von Drogensüchtigen von ihrem alten Standort in der Nähe des U-Bahneingangs in die Halteverbotszone zwischen Reichenberger Straße und Dresdener Straße ist bei den Anwohnern auf heftigen Widerstand gestoßen.

Auch Ilse Ziess-Lawrence, die Leiterin des Kindergartens in der Dresdener Straße, betont, dass sie Suchtprävention zwar für wichtig hält, den Platz für die Fahrzeuge jedoch für unglücklich gewählt: „Das ist der Zufahrtsweg zur Kita, da gehen alle unsere Eltern und Kinder durch.“ Das Hauptproblem sei der Mangel an öffentlichen Toiletten. „Die Leute pinkeln uns jetzt schon vor die Tür oder setzen sich auf der Straße einen Schuss.“ Die Busse sind aber nicht etwa mobile Fixerstuben, sondern die Süchtigen werden von Ärzten behandelt; zudem gibt es Kondome, Essen, saubere Spritzen.

An einem Seiteneingang der Kita steht Rahaman Azizul und raucht eine Zigarette. Der 26-Jährige ist gebürtig aus Bangladesch und bildet nun in der Kitaküche Problemjugendliche zu Köchen aus. Er zeigt auf den zum gegenüberliegenden Seniorenheim gehörenden kleinen eingezäunten Garten, in dem einige Bänke und ein Gartenhäuschen stehen: „Da setzen sich die alten Leute hin und ruhen sich aus. Da kann man doch nicht so ein Mobil davorstellen.“ Azizul macht sich Sorgen, dass seine Jugendlichen in den Einfluss von Süchtigen und Dealern geraten könnten. „Die Jugendlichen werden doch von uns betreut, damit sie aus solchen Kreisen herauskommen.“ Das habe er auch dem Regierenden Bürgermeister gesagt, als er ihm bei seinem Kiezbesuch am Mittwoch seine Küche gezeigt habe. „Der hat nur gesagt, dass man überall das Gleiche hört“.

Davon kann auch Knut Mildner-Spindler (Linke), Bezirksstadtrat für Gesundheit, Soziales und Beschäftigung, ein Lied singen. Man habe sich nach „langem Abwägen“ und in Absprache mit Polizei und Feuerwehr entschlossen, den Standort der Präventionsmobile zu ändern. Auf dem beengten Fußweg vor dem U-Bahneingang sei es zu „Nutzungskonflikten“ mit Fußgängern und Gewerbetreibenden gekommen. Die Reaktionen der Anwohner kenne man aus anderen Zusammenhängen: „Da heißt es dann, wir haben ja nichts gegen spielende Kinder, aber bitte nicht vor unserer Haustür.“ Laut Mildner-Spindler soll die Mittelinsel am Kottbusser Tor zu einem Stadtplatz mit Bänken, Kiosk und öffentlichen Toiletten umgestaltet werden. Gleichzeitig werde derzeit ein Gebäude in der Reichenberger Straße zu einem Gesundheits- und Suchthilfezentrum umgebaut. Dann könne es durchaus sein, dass die mobilen Suchthilfeangebote nicht mehr gebraucht würden.

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