Kreuzberg : Betrüger wollen mit gefälschten Briefen Mieter abzocken

In Kreuzberg sollten Hausbewohner ihre Miete auf ein neues Konto überweisen. Doch dahinter stecken Betrüger. Die Fälle häufen sich.

von und Ferda Ataman

Die Briefe sehen aus wie immer. Und auch die darin befindlichen Schreiben lesen sich so, wie es die Bewohner in der Kreuzberger Bergmannstraße von ihrer Hausverwaltung gewohnt sind: „Sehr geehrte/r Mieter/in, der Eigentümer des von Ihnen bewohnten Hauses hat uns mit der Verwaltung des Grundstücks beauftragt.“ Auf dem Brief prangt das Logo der Attika Verwaltungsgesellschaft MBH – auch wie immer. Die Mietverträge würden sich nicht ändern, heißt es im Brief weiter, nur die Miete sei künftig auf ein neues Konto zu überweisen: „Michael Laars, Postbank, Kontonummer ...“ Unterzeichnet ist die Mitteilung vom Geschäftsführer – so wie man es kennt.

Dass der Brief eine Fälschung ist, fällt nur bei genauem Hinsehen auf: Die Bewohner werden seit Jahren von der Attika-Hausverwaltung betreut, sie dürften erkennen, dass sich die Schriftart im Feld mit den neuen Kontoangaben von der des Haupttextes unterscheidet. Offenbar ist ein früheres Schreiben der Hausverwaltung kopiert worden, dann haben die Verfasser eine Kontonummer draufgelegt und das Schreiben erneut kopiert. Dennoch haben der formale Text, das echte Logo und die Unterschriften ihre Wirkung. „In Deutschland rechne ich nicht mit so einem Betrug“, sagt eine Mitarbeiterin des Hutladens, der kürzlich ins Erdgeschoss Bergmannstraße Ecke Schenkendorfstraße gezogen ist. Sie habe in England gelebt und dort häufiger Trickbetrüger erlebt. „Aber hier?“ Wäre keine Warnung gekommen – „wir hätten tatsächlich aufs angegebene Konto überwiesen“. Doch die Ladeninhaber haben kurz nach dem ersten Schreiben einen echten Brief der Hausverwaltung erhalten, der vor der betrügerischen Post warnte. „Es handelt sich um eine Fälschung“, schrieb diesmal der echte Geschäftsführer, „die Angelegenheit wurde bereits zur Anzeige gebracht.“ Wie viele der rund 60 Mietparteien in den zwei Häusern an der Ecke Bergmann- und Schenkendorfstraße von dem Mietinkassobetrug betroffen sind, ist noch unklar. Ermittlungen laufen auch zu ähnlichen Fällen in anderen Kiezen. „Meist fallen Senioren auf solche Tricks rein“, sagte ein Polizeisprecher.

Beim Mieterverein kennt man das Problem. „Die Angabe von falschen, angeblich neuen Mietkonten kommt leider immer wieder vor“, sagte Mietervertreter Rainer Wild. Auch entsprechenden Telefonanrufen sollte man nicht trauen. Es tauchten jedoch immer wieder Briefe auf, die so gut gefälscht seien, dass man sie von Originalen nicht unterscheiden könne. Der beste Weg, sich vor solchen Betrügern zu schützen, sei „ein guter Kontakt zu Vermietern“, erklärte Wild. Bei Kontoänderungen und allem, was Geld betrifft, sollten Mieter auf der Hut sein. Im schlimmsten Fall könne es Monate dauern, bis der Vermieter auf die fehlende Überweisung reagiert – und erst dann käme der Betrug raus.

Derlei Delikte haben Konjunktur. Fast 93 000 Betrugsfälle hat die Polizei 2009 in Berlin insgesamt erfasst, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Ein großer Teil entfällt allerdings auf simples Schwarzfahren. Doch allein die Fälle von Überweisungsbetrug – so der polizeiliche Fachbegriff – sind im vergangenen Jahr um fast 14 Prozent auf insgesamt 3292 gestiegen.Ferda Ataman/Hannes Heine

Polizeihinweise: (030) 4664 97 94 14, im Internet unter www.polizei-beratung.de

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