Berlin : Kreuzberg: Im Streit um die Kunstruine ist kein Ende in Sicht

Justin Just

Der Kreuzberger Pamukkale-Brunnen wird drei Jahre alt. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch er bietet ein jämmerliches Bild. An allen Ecken sind große Stücke herausgebrochen und liegen als Schutthaufen auf den Stufen des Brunnens. Die Gruppe Jungs im Grundschulalter, die zwischen dem umzäunten Geröll über das Kunstwerk tobt, zeigt sich davon allerdings wenig beeindruckt: "Hier kann man doch voll gut abhängen", lautet die lässige Antwort.

Das scheinen viele Kreuzberger genauso zu sehen, denn rund um den Brunnen im Görlitzer Park findet man einen guten Querschnitt durch die Kiezbevölkerung. Der Fahrradkurier isst neben der Studentin, eine Gruppe Jugendlicher kifft auf der Wiese, und etwas weiter lagert eine türkische Großfamilie. Sengül Ay, die mit ihrer Freundin in einer Schar von Kindern sitzt, bedauert, dass man sich mit dem Bauwerk so viel Mühe gegeben hat. Es sei eine Schande, es in diesem Zustand zu lassen. Die jungen Mütter hoffen, dass das Wasser bald wieder laufen kann. Als der Brunnen vor drei Jahren in Betrieb genommen wurde, habe der sechsjährige Mohammed jeden Tag auf den Pamukkale-Besuch gedrängelt.

Als Begenungsstätte im Görlitzer Park war der Brunnen gedacht, als er am 28. August 1998 in Betrieb genommen wurde. Gelaufen ist er seither jedoch nur ganze sechs Wochen. Nachdem man ihn für die erste Winterpause abgeschaltet hatte, wurde er nie wieder in Betrieb genommen. "An dem traurigen Zustand wird sich auch so bald nichts ändern", sagt Hilmar Schädel. Er ist Fachbereichsleiter für Natur- und Grünflächen in Friedrichshain-Kreuzberg.

Der eigens aus Portugal importierte Naturstein hatte dem Berliner Winter nicht standgehalten, und der Brunnen musste wegen Frostschäden gesperrt werden. Man hatte den hellen Stein ausgewählt, um die Ähnlichkeit mit den Sinterterrassen zu unterstreichen, an denen sich das Kunstwerk orientiert. Diese Formation aus Kalkfelsen ist eine bekannte Sehenswürdigkeit der Türkei. Hierdurch sollten besonders die Kreuzberger türkischer Herkunft angesprochen werden, die den Park gerne nutzen.

Um das Kreuzberger Kunstwerk wieder dem Vorbild näher zu bringen, wären umfangreiche Bauarbeiten nötig. Unklar ist jedoch, wer für die Kosten der Reparatur aufkommen muss. Der Bezirk sieht die Schuld bei dem Berliner Bildhauer Wigand Witting, dem Schöpfer des Kunstwerks. Er habe die falschen Steine ausgewählt. Witting hingegen bestreitet das. Er sieht das Problem in einem Konstruktionsfehler, für den er nicht verantwortlich sei. Außerdem ist man sich über das Ausmaß des Schadens uneinig.

Da die Parteien sich nicht einigen konnten, wird der Fall seit Mitte 2000 vor dem Berliner Landgericht verhandelt. Zur endgültigen Klärung hat das Gericht jetzt einen unabhängigen Gutachter beauftragt, dessen Ergebnis allerdings nicht vor Ende des Jahres erwartet wird. So wird wohl nicht vor 2002 feststehen, wer die 2,2 Millionen Mark für den Abbruch und die bisherigen Baukosten zu übernehmen hat.

Fraglich ist allerdings auch, aus welchen Mitteln ein reparierter Brunnen betrieben werden sollte. Da die jährlichen Unterhaltungskosten um die 80 000 Mark betragen, versucht der Bezirk seine Wasserspiele über private Sponsoren zu finanzieren. Die allerdings konnten dieses Jahr nicht einmal für den Wasserfall im Victoriapark gefunden werden.

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