Berlin : Kreuzberg könnte grün werden

Wahlkreisprognose: Mehrheit für Rot-Rot, kein Direktmandat für Pflüger

Ulrich Zawatka-Gerlach

Rot-Rot hat gute Chancen auf eine knappe Mehrheit in der Stadt – obwohl die Grünen Kreuzberg erobern und die Linkspartei/PDS in einigen Ost-Bezirken dramatische Einbußen in der Wählergunst erleidet. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wird seinen Wahlkreis in Wilmersdorf-Charlottenburg wohl gewinnen. Doch der CDU-Herausforderer Friedbert Pflüger wird es schwer haben, der SPD den Neuköllner Wahlkreis abzunehmen, in dem er kandidiert.

Das sind zentrale Ergebnisse einer Prognose zur Abgeordnetenhauswahl am 17. September, die der Wahlinformationsdienst election.de für den Tagesspiegel angefertigt hat. Dabei wurden neue Umfragetrends, Besonderheiten der Stadtregionen, die Qualität der Kandidaten und der Zuzug von Neuwählern berücksichtigt. So wurden für alle Wahlkreise in Berlin die derzeit wahrscheinlichen Gewinner ermittelt. Zur Wahl 2001 lag die Trefferquote bei 97 Prozent.

Nach dieser Wahlanalyse käme die SPD auf 33 Prozent, die CDU auf 22 Prozent, die PDS erreichte 16 Prozent, die Grünen 14 Prozent und die FDP neun Prozent der Zweitstimmen. Laut election.de profitieren SPD und Grüne im Osten Berlins von wahrscheinlich hohen Verlusten der PDS, die dort von 47,6 Prozent (2001) auf 30 Prozent abrutschen könnte. Vor allem in Pankow und Treptow-Köpenick haben die Sozialdemokraten gute Chancen, dem Koalitionspartner etliche Wahlkreise abzunehmen. Nur Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf blieben fest in der Hand der PDS.

Die Grünen wiederum haben gute Karten, zum ersten Mal alle drei Wahlkreise in ihrer politischen Heimat Kreuzberg zu gewinnen. Die beiden Wahlkreise in Friedrichshain, dem anderen Teil des Ost-West-Bezirks, werden sich wohl SPD und PDS teilen. Die Direktkandidaten der CDU werden voraussichtlich nur in Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und im Süden Neuköllns Wahlkreise erringen. Der Neuköllner Wahlkreis 3 des CDU-Spitzenmanns Pflüger gehört wahrscheinlich nicht dazu. Dort hat momentan die SPD-Lokalmatadorin Petra Hildebrandt die Nase deutlich vorn.

Dagegen rechnet election.de damit, dass Klaus Wowereit den bürgerlichen Wahlkreis 5 in Wilmersdorf-Charlottenburg (Halensee/Grunewald) dank des Amtsbonus und seiner Popularität gewinnt. 2001 lag dort die CDU noch knapp vier Prozentpunkte vorn. Auch dem Parlamentspräsidenten Walter Momper (SPD) werden gute Chancen eingeräumt, in Reinickendorf ein Direktmandat zu erobern. Da er keinen Listenplatz hat, ist er darauf auch angewiesen. Laut Analyse werden die 78 Wahlkreise möglicherweise so verteilt: SPD 45, CDU 15, PDS 15 und Grüne 3. Die übrigen Mandate werden über die Landes- und Bezirkslisten vergeben.

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