Berlin : Kreuzberg: Krisensitzung zum Viktoria-Quartier

Cay Dobberke

Zur Pleite der Bauherren auf dem Viktoria-Quartier in der ehemaligen Kreuzberger Schultheiss-Brauerei planen der Senat und das Bezirksamt ein Krisengespräch. Dabei soll es besonders um die gefährdeten Museumskeller für die Berlinische Galerie gehen. Wegen der Terminprobleme der Beteiligten könne das Treffen erst Anfang kommender Woche stattfinden, hieß es gestern. Museumsdirektor Jörn Merkert will sich heute auf der Messe "Art Forum" zu den Problemen äußern. Gestern ließ er ausrichten: "Wir warten noch auf Informationen von den Investoren."

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Der Berlinischen Galerie droht durch die Insolvenz eine Verlängerung ihrer Odyssee. Das heutige "Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur" war 1975 von Privatleuten an der Jebensstraße gegründet worden; ab 1986 konnte es den Martin-Gropius-Bau nutzen, musste dort aber Ende 1997 ausziehen. Als neuer Standort war vorübergehend auch das Postfuhramt in Mitte im Gespräch. Erst vor zwei Wochen stellten die Kreuzberger Bauherren endlich den Bauantrag für die Museumsgewölbe im früheren Brauhaus an der Methfesselstraße. Die Eröffnung war zuletzt für Ende 2003 geplant.

Die Senatskulturverwaltung teilte mit, es sei derzeit unklar, ob andere Unternehmen in das 300-Millionen-Mark-Projekt einsteigen wollen. "Wir möchten noch nicht über Ausweichquartiere für die Berlinische Galerie spekulieren", sagte Sprecherin Kerstin Schneider. Sie bestätigte, dass die schon im Vorjahr überwiesenen 23,5 Millionen Mark für den Museumsbau "nicht verloren" seien. Es gebe dafür eine Bürgschaft der Deutschen Bank.

Die Projektgesellschaft hatte die Insolvenz Ende voriger Woche beim Amtsgericht Charlottenburg beantragt (wir berichteten). Für die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Grundbesitz Management und die Viterra Gewerbeimmobilien GmbH ist die Pleite ein bisher einzigartiger Missgriff. "So etwas ist uns noch nie passiert", sagte Erich Schruff von der Viterra. Diese ist eines der größten Immobilien-Unternehmen Deutschlands und gehört zum E.on-Konzern. Bisher wurden rund 90 Millionen Euro verbaut. Der erste Bauabschnitt mit 69 Loft-Wohnungen ist bereits fertig. Davon konnten laut Schruff aber nur zwei Drittel verkauft werden. Außerdem seien mögliche Betreiber für ein geplantes Hotel abgesprungen. Auch die Baukosten lägen weitaus höher als erwartet; Einzelheiten dazu nannte der Sprecher aber nicht.

Die PDS-Fraktion im Abgeordnetenhaus forderte den Senat auf, für die Berlinische Galerie "zügig einen Alternativstandort ohne Provisoriumscharakter zu finden". Gleichzeitig müsse der Senatsbeschluss zum Verkauf des Studentendorfes Schlachtensee aufgehoben werden; bisher ist geplant, aus dessen Veräußerung mindestens die für den Museumsbau gezahlte Summe wieder einzunehmen. Auch die Bewohner des Studentendorfs verwiesen auf diesen Zusammenhang: Sie bekräftigten ihre Forderung, die Zehlendorfer Siedlung der Selbstverwaltung zu überlassen.

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