Kreuzberg : Luxusautos unerwünscht

Schon über 60 Mal sind in diesem Jahr Fahrzeuge in Kreuzberg angezündet worden. Jetzt hat Polizeipräsident Glietsch Besitzern von teuren Wagen geraten, nicht in dem Bezirk zu parken. Politiker sind empört.

Tanja Buntrock

Einer war mutig. Am Sonntagvormittag hatte jemand seinen schwarzen Mercedes S-Klasse nahe dem Maybachufer an der Grenze von Kreuzberg und Neukölln geparkt. Glück gehabt – noch ist er nicht in Flammen aufgegangen. Denn dieses teure Luxusgefährt ist eines der beliebten Objekte der Brandstifter, die vor allem in Kreuzberg und Prenzlauer Berg in diesem Jahr bereits 60 Fahrzeuge angezündet haben, die meisten davon waren Luxuswagen.

Wenn es nach Polizeipräsident Dieter Glietsch geht, sollten die Besitzer hochwertiger Autos diese am besten nicht mehr nachts in Kreuzberg parken. In einem Interview mit der „taz“ hatte er kürzlich Porsche-Fahrern davon abgeraten, ihren Wagen dort abzustellen. Der Grund: Die Polizei könne nicht neben jedes Auto einen Beamten zur Bewachung stellen.

Mit dieser Äußerung hat Dieter Glietsch die Polizeigewerkschaft und etliche Politiker gegen sich aufgebracht. Das Wort „Bankrotterklärung“ machte die Runde. CDU-Generalsekretär Frank Henkel, sprach davon, dass diese Äußerung „eine Kapitulation“ sei. Die Linksextremisten hätten ihr Ziel erreicht, wenn die Polizei resigniere und Gewalt und Kriminalität nicht mehr bekämpfe. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betonte erneut, dass sich anhand dieser Taten die Auswirkungen des „dramatischen Personalabbaus“ bemerkbar machten. Jetzt räche sich, dass weniger Polizisten eingestellt würden und Abschnitte schließen oder fusionieren mussten.

Auch die FDP-Fraktion zeigte sich entsetzt über Glietschs Äußerung. „Ein Armutszeugnis“, sagte der innenpolitische Sprecher Björn Jotzo. Angeblich gebe es in der Stadt keine No-Go-Areas, „doch nun schafft die Polizei No-Drive-Areas“. Völlig aufgebracht ist Björn Jotzo über den Kommentar von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zu dem Thema: Der hatte Glietsch beigestanden und Besitzern teurer Autos geraten, „nicht provozierend“, sondern „am besten gut sichtbar“ zu parken. Jotzo sagt: „Das ist unverschämt, Porsche-Fahrern zu unterstellen, dass sie provozieren.“

Gelassener sieht der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux die Debatte. „Glietsch hat zugespitzt. Das muss nicht überbewertet werden. Jeder Porschefahrer muss selber wissen, wo er sein Auto abstellt“, sagte er.

Auch die Kreuzberger selbst können die Aufregung um das Parken von Luxusautos offenbar nicht ganz verstehen. „Ich fahre gar kein Auto. Mir ist egal, ob hier Nobelwagen angezündet werden“, sagte ein junger Mann in der Adalbertstraße gestern Nachmittag. Der Wirt eines türkischen Cafés in der Dresdener Straße findet die Diskussion „Quatsch“, wie er sagte. Er fahre einen 70 000 Euro teuren Jeep. „Der ist hier noch nie beschädigt worden.“ Außerdem habe er das Auto immer gut im Blick. Er parke es meistens direkt vor dem Café.

Die Polizei wies am Sonntag jegliche Vorwürfe zurück. Glietschs Äußerung sei als „generalpräventiver Aspekt“ zu verstehen. „Man lässt ja auch keine teure Rolex-Uhr in der Kneipe liegen“, sagte ein Sprecher. Natürlich könne jeder dort sein Fahrzeug abstellen, wo er mag, doch er sollte immer überlegen, ob dies sinnvoll ist. Tanja Buntrock

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