Kreuzberg : Mit dem Auto bis neben das Bett fahren

In der Reichenberger Straße gibt es schon lange keine besetzten Häuser mehr, dafür Wohnungen so groß wie Häuser. Die mindestens 220 Quadratmeter großen Luxusunterkünfte bieten sogar Platz für schicke Autos - damit sie nicht irgendwann brennend auf der Straße stehen.

Hannes Heine

Besetzte Häuser, brennende Barrikaden und rote Fahnen gibt es in der Reichenberger Straße nicht mehr. Dafür gibt es hier, mitten in Kreuzberg, bald Wohnungen so groß wie Häuser, mit Garten und eigener Garage. Und das alles hoch über der Straße. In der vorhandenen Wohnanlage in den Paul-Lincke-Höfen entstehen quasi elf Einfamilienhäuser, je zwei auf einer Etage. Die neuen Bewohner können mit ihrem Auto direkt von der Straße in den Aufzug fahren, wobei die Zugangsberechtigung elektronisch geprüft wird. Ist der Autolift vor der Wohnung angekommen, fährt man rückwärts auf den Stellplatz, Carloggia genannt.

Carloft heißen die Luxuswohnungen, die kleinste 220 Quadratmeter groß. Die Bauherren der Firma Topos haben sich die Idee patentieren lassen. Parkt man das Auto direkt vor dem Wohnzimmer, hat man weniger lange Wege. Und weniger Angst. Erst vor zwei Monaten hatte Polizeipräsident Dieter Glietsch gesagt, Besitzer hochwertiger Autos sollten diese besser nicht nachts in Kreuzberg parken. Mehr als 60 Luxuswagen wurden 2008 in Berlin schon angezündet.

Schon 2007 zündeten Unbekannte in der Reichenberger Straße Baumaterial an. Aus Protest gegen die teuren Eigentumswohnungen, hieß es damals. Schmierereien an der Fassade folgten. Rund 100 Menschen demonstrierten im Juli vor den Carlofts, bis die Polizei eingriff.

Die Bauherren sind sich sicher, dass sich alle Luxuswohnungen verkaufen werden, sieben der elf Lofts haben schon einen neuen Eigentümer. Die 510 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung, Penthouse genannt, ist noch zu haben: für 1,6 Millionen Euro. Beschwerden aus der Nachbarschaft gebe es nicht, sagt Stefan Weyer-Geers von Topos. Die neuen Bewohner seien Liebhaber, die sich schöne Wohnungen was kosten ließen. Auch bisher wurden in den Paul-Lincke-Höfen schon die Eingänge von Portiers bewacht. Bisher hätten sie jedoch niemanden rausschmeißen müssen, hieß es. Sie fallen eher durch friedliche Tätigkeiten auf: Blumen gießen etwa, wenn die neuen Bewohner im Urlaub sind.

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