Kreuzberg : Mit Schweinegrippe infizierter Berliner gestorben

Berlin hat womöglich den ersten an der Schweinegrippe Verstorbenen zu beklagen. Der 40-jährige Mann starb im Urban-Krankenhaus überraschend an Herz-Kreislauf-Versagen. Er war zuvor positiv auf das H1N1-Virus getestet worden.

Ingo Bach[Annette Kögel],Christoph Stollowsky

In Berlin ist erstmals ein mit dem Schweinegrippenvirus infizierter Mann verstorben. Bei dem 40-jährigen Berliner war am Sonntag der H1N1-Test („Neue Influenza“) positiv ausgefallen, sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung. Der Berliner war bereits am Freitag mit einer entzündlichen Lungenerkrankung ins Vivantes-Klinikum Am Urban in Kreuzberg gekommen – und starb am Montag „völlig überraschend“ an Herz-Kreislauf-Versagen. Der Verlauf der Lungenentzündung sei nicht ungewöhnlich gewesen. Die Obduktion soll jetzt klären, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Tod des Patienten und der Infektion mit Influenza H1N1 gebe. Ob der Mann Vorerkrankungen gehabt habe, konnte die Gesundheitsverwaltung gestern Abend noch nicht sagen. Sein Umfeld wird jetzt untersucht.

Der Mann sei über die Rettungsstelle aufgenommen worden, sagte der Chefarzt der Notaufnahme des Urban-Krankenhauses, Michael De Ridder. Angaben zum Patienten lehnt er mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht ab. De Ridder warnt vor Panikmache: „Es ist bisher unklar, ob ein Zusammenhang besteht zwischen der Infektion mit dem Virus und dem Tod des Patienten.“ Ihn zum jetzigen Zeitpunkt herzustellen und zu sagen, er sei an Schweinegrippe gestorben, „wäre unverantwortlich“. Die Urban-Rettungsstelle habe Räume, um Patienten mit H1N1-Verdacht zu isolieren. Die Kapazitäten der Berliner Notaufnahmen seien aber begrenzt. Immer wieder schickten Hausärzte Patienten, die sich mit Schweingerippe angesteckt haben könnten, aus Angst lieber in Rettungsstellen weiter. „Diese Erkrankten sind bei einigen niedergelassenen Medizinern offenbar nicht sehr beliebt.“ Dabei müssten sie – wenn die Fälle während der Sprechstunden bekannt werden – dort behandelt werden.

Nach Angaben der Senatsverwaltung haben sich seit Mitte Juni 1023 Berliner infiziert. Seit Sonnabend erhöhte sich die Zahl der bestätigten Fälle um hundert. Wenn nach dem Todesfall die Zahl der Impfwilligen steige, sollte der Senat „alles tun, um der Nachfrage gerecht zu werden“, appellierte der Vorsitzende des Berliner Apotheker-Vereins, Rainer Bienfait. Durch die Einzelverträge, die die Gesundheitsverwaltung abschließe, bedürfe es eines bürokratischen Vorganges. Bislang hat der Senat mit rund 100 niedergelassenen Ärzte einen Impfvertrag abgeschlossen. Weitere 200 Verträge sollen in den nächsten Tagen unterzeichnet werden. Rund 2000 Praxen sind aber nach Einschätzung von Gesundheitsexperten nötig, um eine schnelle optimale Impfversorgung in der Stadt zu gewährleisten. Wie berichtet, scheitert dies bisher an der Weigerung vieler Ärzte, sich zu beteiligen. Bei Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) ist man allerdings optimistisch: Jeden Tag gingen neue Anträge von Medizinern ein. „Wir sind optimistisch, dass ausreichend Ärzte zur Verfügung stehen, um jeden impfen zu können, der es wünscht.“

Der Sprecher der etwa 300 niedergelassenen Berliner Kinder- und Jugendärzte, Ulrich Fegeler, betonte, dass „nahezu alle unsere Praxen mehr als alle Hände voll zu tun haben, um die normalen Erkältungskrankheiten zu behandeln.“ Die Kinderärzte wollen den Bezirken vorschlagen, mit deren Gesundheitsämtern zusammenzuarbeiten. Der Vorsitzende des Hausärzte-Verbandes, Hans-Peter Hoffert, ist unterdessen zuversichtlich, dass sich bald mehr Kollegen an der Impfaktion beteiligen werden.“ Unterdessen kommt auch Apotheker Yaser Alshrafi, Chef der Zeppelin-Apotheke in Spandau, kaum mehr zum normalen Tagewerk. „Unsere Kunden fragen den ganzen Tag über nach der Schweinegrippe und danach, wie und wo man sich impfen lassen kann.“

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