Kreuzberg : Moschee eröffnet - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren wurde die "Omar-Ibu-al-Khattab-Moschee" eröffnet. Innensenator Ehrhart Körting kam nicht zur Eröffnung - er besuchte eine radikale Gemeinde in Neukölln. Was Claudia Keller und Johannes Radke damals schrieben.

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Blick von oben. Bei der Eröffnung der neuen Moschee in Kreuzberg waren auch viele Frauen unter den Gästen dabei – nicht nur auf der Galerie.
Blick von oben. Bei der Eröffnung der neuen Moschee in Kreuzberg waren auch viele Frauen unter den Gästen dabei – nicht nur auf...Foto: dpa

Über dem Eingang wehen eine Deutschland- und eine Europafahne. An der Schwelle zum prachtvollen Gebetsraum werden arabische Süßigkeiten verteilt. Mit einem Festakt wurde am Freitag die „Omar-Ibu-al-Khattab-Moschee“ in Kreuzberg offiziell eröffnet. „Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen den Muslimen und der deutschen Gesellschaft“, sagte der Vorsitzende des Islamischen Vereins für wohltätige Projekte, Hassan Khodr. Menschen aller Glaubensrichtungen seien willkommen. Mehrfach betonte er, dass es für radikale Strömungen in der Gemeinde keinen Platz gebe.

„Wo Menschen sich zu Hause fühlen, da bauen sie ihre Gotteshäuser“, sagte der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening. „Beeindruckend“ sei besonders die kunstvolle Ausgestaltung der Innenräume. Schon jetzt sei das Maschari-Center im Herzen Kreuzbergs ein Beispiel für gelungene Integration. Bei der Führung durch die sieben Stockwerke genoss Piening mit Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) den Ausblick von der Glaskuppel. „Es ist ein wichtiger Schritt für die Muslime, mit diesem spirituellen Ort an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagte Schulz. Dass immer noch viele islamische Gemeinden ihre Moscheen in düsteren Hinterhäusern hätten, habe die Akzeptanz lange erschwert. Es sei eine große Neugierde bei den Anwohnern zu spüren, die sich jetzt selbst ein Bild vom Islam machen könnten. Schulz findet: „Es ist die schönste Moschee Berlins.“

Im Gebetssaal mit zweistöckiger Galerie können bis zu 1000 Männer und Frauen beten: auf einem gemeinsamen Teppich, die Männer vorn, die Frauen hinten. Wird es voller, gehört der Platz auf der Galerie den Frauen. In dem 5000 Quadratmeter großen Gebäude befinden sich auch ein Reisebüro, ein Restaurant, Seminarräume. Finanziert wurde das Projekt ausschließlich durch private Spenden. Ursprünglich waren fünf Millionen Euro vorgesehen. Die Kosten sollen aber auf rund zehn Millionen Euro gestiegen sein.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) war nicht anwesend – er besuchte die Al-Nur-Moschee in Neukölln. Diese hatte in einer Broschüre in Ausnahmefällen das Schlagen von Frauen gerechtfertigt. Körting war entsetzt und machte klar, dass dies nicht mit der Grundordnung Deutschlands vereinbar sei. Die Broschüre wurde aus dem Verkehr gezogen. Der Vorfall ist für ihn kein Grund, den Kontakt zur Moschee abzubrechen. „Nur im Gespräch können wir Dinge klären“, sagt er.

Körting rief die 900 Männer zu Respekt gegenüber Andersgläubigen auf: „Wir müssen friedlich miteinander umgehen, auch wenn wir an unterschiedliche Wahrheiten glauben.“ Die Al-Nur-Moschee trage dabei eine besondere Verantwortung – weil sie viele junge Leute anziehe und auch Männer, die zu radikalen Gedanken neigten. Scheich Nasser betonte, dass man die Gesetze achte, und versprach, auf der Hut zu sein, damit sich niemand radikalisiere. Der Besuch der Al-Nur-Moschee sei seit Monaten geplant, sagte Körting. Von der Eröffnung der Moschee in Kreuzberg habe er zu kurzfristig erfahren. Er will sie im Herbst besuchen.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren".

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