Kreuzberg : Türkiyemspor wirft Politik Rassismus vor

Der Kreuzberger Fußballverein Türkiyemspor bekommt Auszeichnungen für Integration, aber keine feste Bleibe. "Ich will keine Preise mehr, sondern Trainingsmöglichkeiten", erzürnt sich Präsident Celal Bingöl.

Thorsten Grunow
Türkiyemspor
Ein festes Klubhaus hat Türkiyem - in der Admiralstraße. -Foto: Rückeis

Berlin - Im Streit zwischen dem Fußball-Regionalligisten Türkiyemspor und dem Senat um eine feste Bleibe des Viertligisten verschärft sich der Ton Am Wochenende platzte aus Präsident Celal Bingöl der angestaute Frust der vergangenen Jahre heraus. Seit er das Amt vor fünf Jahren angetreten habe, bestehe das Problem der fehlenden festen Trainings- und Spielstätten. „Wenn ein Verein seit 30 Jahren diese Probleme hat, ist etwas nicht normal“, sagt Bingöl. „Wir spielen hier in einer Profiliga. Wo sonst in Deutschland gibt es einen Fall wie unseren?“ Dann, sagte Bingöl, „geht es hierbei doch um Rassismus“. Die meisten Politiker sähen in Türkiyemspor immer noch einen türkischen und keinen Berliner Verein. Schon seine Vorgänger hätten damit permanent zu tun gehabt. „Momentan ist alles zu unserem Nachteil“, sagte Bingöl.

Besonders sauer stößt ihm auf, dass sich viele Politiker gern im Glanz der zahlreichen Auszeichnungen Türkiyemspors für Integration und soziales Engagement sonnen würden, bei der Klärung des Platzproblemes aber keinen Schritt weiter kämen. „Ich will keine Preise mehr, sondern anständige Trainingsmöglichkeiten“, erzürnt sich Bingöl. Wie berichtet, trainiert die Mannschaft mal im Jahnsportpark in Prenzlauer Berg, mal im Sportforum Hohenschönhausen, dann mal wieder im heimischen Kreuzberger Katzbachstadion. „Unser Ziel ist es, die Menschen zusammenzuführen und zu integrieren. Aber was machen die Politiker für die Integration? Sie machen die Integration kaputt.“

Bis zum Beginn der Rückrunde im neuen Jahr will man bei Türkiyemspor noch abwarten. Gibt es dann keine konkreten Zusagen für feste Trainings- und Spielmöglichkeiten, will Bingöl seinen Rücktritt erklären, da er keine Lust habe, „jahrelang betrogen und vertröstet zu werden“. Er und seine Vorstandskollegen seien sich außerdem darüber einig, die Männermannschaft im schlimmsten Fall vom Spielbetrieb abzumelden.

Damit es dazu nicht kommt, will Bingöl alle Möglichkeiten nutzen. So sind weitere Demonstrationen und ein Training vor dem Bundestag geplant, um den Druck auf die Politiker zu erhöhen. Für Türkiyems Präsidenten steht fest, dass es nicht mehr ausreiche, wenn sich – wie von Sportstadträtin Sigrid Klebba (SPD) angekündigt –, das zuständige Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg der Sache annimmt. Jetzt könne nur noch die große Politik helfen. „Wir werden für die Rechte unseres Vereines kämpfen“, sagt Bingöl. Er will sich später nicht vorwerfen lassen müssen, nicht alles versucht zu haben, um Türkiyems Nomadendasein zu beenden. Thorsten Grunow

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