Kreuzberg : Wilde Grünfläche besetzt

Ein Handvoll Kreuzberger haben ein brachliegendes Grundstück am Bethaniendamm im Schatten des Georg-von-Rauch-Haus gekapert. Sie fordern einen "interkulturellen Garten“.

Sie sind seit Sonnabend, Punkt 14.59 Uhr, hier und wollen bis auf weiteres bleiben: Eine Handvoll Besetzer hat ein brachliegendes, eingezäuntes Grundstück am Kreuzberger Bethaniendamm im Schatten des Georg-von-Rauch-Hauses gekapert. Was mit den aufgeschlagenen Igluzelten, den Transparenten, Fahnen und dem Sperrmüll ein bisschen an Abenteuerspielplatz für Spätpubertierende erinnert, ist tatsächlich ein ernsthaftes Anliegen. Als „Platz zum Leben, als interkultureller Garten, als Ort politischer und sozialer Veranstaltungen sowie nichtkommerzieller Kultur“ will die Gruppe ihr besetztes Kleinod etablieren und vor dem bewahren, was das Bezirksamt an dieser Stelle vorhat: eine Grünanlage zu errichten.

Jutta Kalepky (parteilos), für dieses Grundstück verantwortliche Bezirksstadträtin, attestiert den Besetzern zwar „interessante Denkansätze“, bezweifelt aber, ob sich das Konzept kommunaler Gärten an dieser Stelle durchsetzen lässt. Sie erinnere die Idee an ähnliche Gärten in New York, wo die Anwohner Rüben und Kartoffeln zur Selbstversorgung anbauten. Daran denken die Besetzer auch, haben aber zunächst damit begonnen, einen kleinen Ahorn zu pflanzen. In ihren Augen ist die verwilderte Fläche „hochwertiges Grün“, das es zu schützen gelte, für Kalepky ein ehemaliger Lagerplatz des Grünflächenamtes, der „attraktiviert“ werden müsse.

Die Pläne dafür liegen schon auf ihrem Schreibtisch. Sie sehen vor, das wuchernde Dickicht der Büsche zu lichten und Wege anzulegen. Dann solle auch der Zaun verschwinden, den das Bezirksamt seinerzeit aus Sicherheitsgründen aufgestellt habe, weil unterirdisch eine Gasleitung verlaufe. „Die Neugestaltung der Fläche ist für 2009 vorgesehen“, sagt Kalepky, das Geld und eventuelle Zuschüsse bereits beantragt. Auf seiner heutigen Sitzung wolle das Bezirksamt beraten, wie mit den Besetzern verfahren werden soll. Die Polizei jedenfalls hat das Amt noch nicht gerufen. Beamte, die sich die Besetzung anschauten, zogen wieder ab, weil alles friedlich ist.

Die Besetzer nehmen dem Bezirk nicht ab, dass die Verwaltung ernsthaft an einem Dialog oder einer Auseinandersetzung mit ihren Ideen „interkultureller Gärten“ interessiert ist. Auch Kalepky spricht von „widerstreitenden Plänen zur Umgestaltung des Mariannenplatzes“. Auch deshalb harren einige der Besetzer aus. Andere gehören zum Initiativkreis des Bürgerentscheids „Mediaspree versenken“, wieder andere zum besetzten Haus „Köpi“ an der Köpenicker Straße, nicht weit vom besetzten Garten.

Ein zufällig vorbeikommender Nachbar, danach gefragt, ob er Kartoffeln oder Beeren essen würde, die auf diesem Grundstück gedeihen, sieht das so: „Wer mir das anbietet, den zeig’ ich an wegen Körperverletzung.“ oew

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