Berlin : Kreuzberger errichten Straßensperren

Verkehrsberuhigter Wrangelkiez wird mit Diagonalpollern gegen Durchgangsverkehr abgeschottet

Christoph Villinger

Mit Diagonalpollern will der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), den Durchgangsverkehr aus dem verkehrsberuhigten Kiez um die Wrangelstraße heraushalten. Quer über die Kreuzungen der Cuvrystraße und der Falckensteinstraße mit der Wrangelstraße sollen diagonale Sperren gebaut werden. Dies berichtete Schulz auf einer vom Quartiersmanagement organisierten Versammlung mit empörten Anwohnern, die seit Wochen mit Straßenblockaden gegen den Durchgangsverkehr protestieren.

Im Kreuzberger Gräfe-Kiez halten solche Diagonalpoller seit Jahren erfolgreich den Durchgangsverkehr aus den Wohnbereichen fern. Das Bezirksamt schrieb bereits 40 Gewerbetreibende im Wrangelkiez an, um zu erfahren, ob es Schwierigkeiten mit dem Lieferverkehr geben könnte. Alternativ verfolgt Schulz weiterhin die Idee, die Wiener Straße ab der Glogauer Straße Richtung Görlitzer Ufer zur Einbahnstraße zu machen.

Seit August dieses Jahres ist der von vielen Autofahrern benutzte Schleichweg von Neukölln nach Treptow über das verkehrsberuhigte Görlitzer Ufer und Heckmannufer gesperrt. Doch nun benutzen die Autofahrer nur die parallel verlaufende, ebenfalls verkehrsberuhigte Cuvrystraße als Ausweichmöglichkeit. Bis zu 480 Autos pro Stunde haben Anwohner an einem Montagnachmittag zwischen 16 und 17 Uhr gezählt.

Auf der Bezirksverordnetenversammlung forderten alle Parteien einerseits ein Gesamtkonzept, andererseits lehnten SPD und CDU die von PDS und Grünen unterstützten Maßnahmen von Schulz ab. Für die SPD forderte Johannes Jügel „erst ein Gesamtkonzept, dann stimmen wir über dieses ab“. Die Grünen befürchten nun, dass „die Entwicklung und Realisierung eines solchen Konzepts mindestens zwei Jahre dauert“.

Einen Antrag von Schulz auf eine Einbahnstraßenregelung in der Wiener Straße lehnte inzwischen die zur Polizei gehörende Straßenverkehrsbehörde überraschend schnell ab. Dagegen legte Schulz inzwischen Widerspruch ein. Falls es auch dann zu keiner Einigung kommt, geht die ganze Angelegenheit an die übergeordnete Aufsichtsbehörde, die Senatsverkehrsverwaltung unter Peter Strieder (SPD). Diese wird dann eine Entscheidung herbeiführen.

Mit ungläubigem Staunen nahmen die Anwohner bei dem Treffen des Quartiersmanagements zur Kenntnis, dass außer Schulz, der direkt am nördlichen Rand des Görlitzer Parks wohnt, seit kurzem auch Verkehrssenator Peter Strieder am südlichen Rand des Parks zu Hause ist. Schulz erzählte dort die Anekdote, dass ihn Strieder am Tag des offenen Denkmals nach einer Podiumsdiskussion in der Thomas-Kirche zur Seite nahm und ihn fragte: „Sie wollen die Wiener Straße zur Einbahnstraße machen?“ Darauf Schulz: „Ist doch eine hervorragende Maßnahme zur Verkehrsberuhigung“, worauf ihm Strieder entgegnete: „Wissen sie schon, wo ich jetzt wohne? Ich will mit dem Auto nach beiden Seiten abbiegen können.“ Inzwischen bestätigte Strieder das Gespräch, legt aber Wert auf den spöttischen Ton. Ansonsten sei er aber auch schon viel früher gegen die Sperrung des Görlitzer Ufers gewesen – wegen der vorhersehbaren Folge, dass der Verkehr sich nur in die nächste Straße verlagere. Sobald die Maßnahmen von Schulz beim Verkehrssenator zur Entscheidung vorliegen, „werden wir ganz kritisch draufschauen“.

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