Berlin : Kreuzberger Gourmetrestaurant in Flammen

Das „Cochon Bourgeois“ bleibt voraussichtlich bis September geschlossen. – Momper: Ein Jammer

Tanja Buntrock

Das war ein Schock. Um kurz nach zwei Uhr klingelte am Donnerstag die Polizei bei Hannes Behrmann: „Ihr Restaurant brennt“, erzählten ihm die Beamten. Dann nahmen sie Behrmann mit in die Kreuzberger Fichtestraße, wo er als Chefkoch und Inhaber das „Cochon Bourgeois“ seit 1998 betreibt. Dort stand der 39-jährige Gastronom nun vor „den rauchenden Trümmern“ und sofort schoss ihm ein quälender Gedanke durch den Kopf: „Hab’ ich wirklich alles ausgestellt, als ich den Laden abgeschlossen habe?“

Ein Nachbar, der über dem Restaurant wohnt, hatte kurz vor zwei Uhr Qualm gerochen und die Feuerwehr gerufen. Nach einer knappen Stunde waren die Flammen gelöscht. Danach machte sich die Kripo an die Arbeit und hat nach Spuren gesucht. „Aber die haben nichts gefunden. Sieht nicht so aus, als sei es Brandstiftung gewesen“, sagt der Chefkoch. Nach längerem Grübeln war er sich ziemlich sicher, dass er alle Geräte ordnungsgemäß ausgeschaltet hat und vermutet einen technischen Defekt. „Ich habe die Versicherung informiert und muss abwarten, was die Kripo mir in den nächsten Tagen sagt.“

Auch Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Walter Momper, der direkt gegenüber vom Restaurant wohnt, war geschockt. Er hat im Urlaub in Tirol vom Brand erfahren. „Ein Jammer ist das“, sagte Momper dem Tagesspiegel. Schließlich sei das Lokal mit den französisch-ländlichen Gerichten auch „ein Schmuckstück für die Gegend“. Nur der vordere Teil des „Cochon Bourgeois“, das auf Deutsch soviel wie „Bürgerliches Schweinchen“ heißt, ist ausgebrannt. Irgendwo an der Bar muss das Feuer ausgebrochen sein; die Flammen haben sich dann nach oben gefressen. So ist wenigstens der schön-restaurierte Dielenboden in dem Restaurant im Gründerzeit-Stil, das 50 Plätze fasst, einigermaßen verschont geblieben. „Trotz des Schocks bin ich heilfroh, dass es nur unser Restaurant und nicht die Nachbarwohnungen getroffen hat“, sagt der Chefkoch.

Noch mindestens bis Mitte oder Ende September, schätzt Behrmann, müssen sich seine Gäste gedulden. Bis dahin soll dann alles wieder renoviert sein. Die Küche sei zwar nicht ausgebrannt, aber völlig verrußt.

Von Hummer und Steinbutt bis zu Blutwurst und Schweinebäckchen – im „Cochon Bourgeois“ bekommen die Gäste auch deftige Köstlichkeiten. Behrmann legt Wert darauf, dass man bei ihm ein Drei-Gänge- Menü mit einem guten Wein schon für 55 Euro bekommt. „Das war immer unser Ziel“, sagt er. Nicht nur Spitzenverdiener sollen seine französischen Gerichte genießen können. Vor allem die Plätze vorn, auf der umrankten Terrasse, waren im „Cochon Bourgeois“ immer begehrt. Behrmann ist froh, dass er sich gegen Betriebsausfall versichert hat. So kann er, wenn die Versicherung denn alles genehmigt, seinen neun Mitarbeitern weiter die Gehälter zahlen. „Schließlich geht es auch um deren Existenz“, sagt der Chef.

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