Kreuzberger Kemal Salis : Hilfe für die türkischen Erdbebenopfer

Der Kreuzberger Kemal Salis hat Erfahrung mit Spendenaktionen. Jetzt engagiert er sich für die Erdbebenopfer in der Osttürkei.

von
Der Organisator. Kemal Salis plant die Hilfsaktion „Erdbebenhilfe von Kreuzberg nach Van“. Zwischendurch erholt er sich bei einem Besuch der Ausstellung des Fotografen Mehmet Ünal im Willy-Brandt-Haus.
Der Organisator. Kemal Salis plant die Hilfsaktion „Erdbebenhilfe von Kreuzberg nach Van“. Zwischendurch erholt er sich bei einem...Foto: Thilo Rückeis

Für Kemal Salis könnten die Tage gerade mehr als 24 Stunden haben. „Ich bin am Montag erst um fünf Uhr früh ins Bett gekommen, die ganze Nacht über habe ich die Nachrichten über das Erdbeben in der Osttürkei im Internet verfolgt“, sagt der Mann aus Kreuzberg. Immer wieder kamen Mails von Türken und Kurden, die voller Sorge um Verwandte sind, und auch von Menschen, die helfen wollen. Bis in die Nacht dann folgten Sitzungen, Gespräche über die Lage in der Türkei, und darüber, was an Hilfe gebraucht wird. Kemal Salis, in der vorigen Legislaturperiode Bürgerdeputierter in Kreuzberg, hat Erfahrung mit Spendenaktionen. Er hat schon beim großen Beben von 1999 im Marmara-Gebiet in der Kreuzberger Partnerstadt Kadiköy geholfen. Und er will sich jetzt wieder um Überlebende kümmern, als Organisator der Hilfsaktion „Erdbebenhilfe von Kreuzberg nach Van“. Das ist die hart getroffene Provinz Ostanatoliens.

Salis kennt pragmatische Hilfe und politische Arbeit, denn als Deputierter hat er in Fachausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung mitgewirkt. „Ich freue mich, dass Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz und der Bürgermeister von Kadiköy, Selami Öztürk, seit Montagnachmittag Schirmherren der Aktion sind“, sagt Salis. Der 49-Jährige ist selbstständig, er hat ein kleines Ladenbauunternehmen, das Geschäft stemmen jetzt die Mitarbeiter, und auch seine Tochter stärkt ihm den Rücken. Auch Medien rufen jetzt bei Kemal Salis an, und wollen wissen, wie er denn nun genau den Menschen helfen will, deren Welt in Trümmern liegt.

„Genau darum kümmere ich mich jetzt, rede mit Hilfsorganisationen und den lokalen Behörden, um herauszufinden, was denn sinnvoll ist“, sagt Kemal Salis. Bei dem großen Beben von 1999 hat er die Hilfe von internationalen Organisationen schätzen gelernt, aber es auch bedauert, dass mitunter Hilfsgüter nutzlos vor sich hin lagern, sobald die Kamerateams der internationalen Medien wieder abgeflogen sind. Die Welt denke dann, es habe sich schon wieder alles beruhigt. Ein Phänomen, wie es auch nach anderen Katastrophen in der Welt immer wieder zu beobachten ist.

Alle die Schreckensbilder, die Anrufe, die Schreie, die Tränen, das Elend, da muss Salis auch mal Pause machen. Es ist ja nicht nur das Erdbeben in der Osttürkei, das auch viele Berliner Türken und Kurden betrifft, weil sie dort Verwandte und Freunde haben. Es gibt ja auch noch die kriegerischen Konflikte im Nordirak zwischen der Türkei und den Kurden, die die Menschen bewegen. Deswegen hatte der Türkische Bund Berlin-Brandenburg sein Protestgrillen gegen das Grillverbot im Tiergarten abgesagt, die große Weltpolitik geht vor kommunalem Klein- Klein. Um mal abzuschalten, ist Kemal Salis am Montagmittag in die Ausstellung zu 50 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei im Willy-Brandt-Haus an der Stresemannstraße gegangen. Er selbst kam vor 30 Jahren in die Stadt, ja, sagt er, er ist Berliner, mit Fleisch und Blut. Und dennoch schlägt das Herz natürlich auch für die alte Heimat. Nach dem  Beben 1999 ist der Kreuzberger nach Kadiköy geflogen. Er hat dort einen Tisch aufgestellt, sagt er, Leute empfangen, Informationen ausgewertet, Notwendigkeiten geprüft. „Wir haben dann dank der 60 000 gespendeten Mark damals beispielsweise Schulbücher gekauft für Kinder und Zelte, in denen sie unterrichtet werden konnten.“ Er weiß es noch wie heute: Acht riesige Zelte waren es, à 40 Quadratmeter. Was es diesmal für die Überlebenden in Ostanatolien sein wird, will er so schnell wie möglich ermitteln, sagt Kemal Salis. Für ihn ist es keine Frage, dass er aus der größten türkischen Stadt außerhalb der Türkei heraus hilft. „Das kommt aus dem Herzen.“

Kemal Salis erreichen Hilfswillige per E-Mail: k-salis@gmx.de.

Erdbeben in der Türkei
Nach dem Erdbeben in der Türkei lebt diese Familie in einem Zelt. Fast 500 Menschen starben bei dem schweren Beben im Osten der Türkei, Tausende wurden verletzt. Viele verloren ihre Häuser.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: dpa
24.10.2011 09:25Nach dem Erdbeben in der Türkei lebt diese Familie in einem Zelt. Fast 500 Menschen starben bei dem schweren Beben im Osten der...

1 Kommentar

Neuester Kommentar