Berlin : Kreuzberger Schüler haben ihre Schule selbst renoviert

Silke Edler

Wackelige Treppengeländer, marode Sanitäranlagen, Putz, der von den Decken fällt. Schon seit Jahren kritisieren Schulstadträte den schlechten Zustand vieler Schulgebäude. So hatte der Hauptausschuß für dieses Haushaltsjahr insgesamt 74 Millionen Mark für die Sanierung der schlimmsten Schwachstellen an Schulen zur Verfügung gestellt. Daraus wurden Sanierungen bezahlt, allerdings mußten die Bezirke sich je zu einem Drittel an den Kosten beteiligen. Die Lehrer und Schüler der Ferdinand-Freiligrath-Oberschule haben die Renovierung ihres Schulgebäudes jetzt selber in die Hand genommen. Im ganzen Gebäude strahlen die Wände in fast klinischem Weiß und nur noch in einem Flurteil ist noch sichtbar, was bis vor drei Monaten die ganze Schule prägte: beschmierte und vergilbte Wände, die förmlich dazu einluden, sie noch ausführlicher mit Graffities und Namenszügen zu "verzieren".

Seit rund 30 Jahren ist die Schule nicht mehr grundrenoviert worden. "Vor den Ferien haben wir deshalb den Pinsel selber in die Hand genommen", sagt Schulleiterin Hildburg Kagerer. Das bedeute allerdings nicht, daß diese Aktion unter dem Motto "Unsere Schule macht sich schön" zu verstehen sei. Vielmehr laufe in der Kreuzberger Schule seit zehn Jahren ein Sonderprojekt mit dem Titel "Kids-Kreativität in die Schule". Dieses Projekt wurde 1995 auf einen Modellversuch ausgeweitet, bei dem alte Schulstrukturen aufgebrochen und die Schule neben Lehrern und Schülern auch für Dritte zugänglich sein soll.

In letzter Zeit war dieser Dritte vor allem ein Geselle einer Schöneberger Maler-Firma. Dieser zeigte den Schülern, wie man den Pinsel richtig schwingt. "Die Flure haben die Schüler selber gemalert", sagt die Schulleiterin. In den Treppenhäusern mußten aus versicherungstechnischen Gründen allerdings gelernte Maler ran. Mit finanzieller Hilfe des Bezirkes und den Farbspenden einer Farbenfirma konnte die ganze Schule in nur wenigen Wochen aufgepäppelt werden. Anlaß für diese gemeinsame Malaktion war die Modellversuch-Abschlusskonferenz der Bund-Länder-Kommission, die am 30. Juni in der Schule stattgefunden hatte. "Wenn man Teil eines bundesweiten Modellversuches ist, muß man sich entsprechend präsentieren", sagt die Schulleiterin.

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