Kreuze und Tröten : Katholiken protestieren gegen Abtreibung

18.09.2011 10:43 UhrVon Christoph Stollowsky
Auf die Straße. Bereits am Sonnabend wurde mit Kreuzen gegen Abtreibung demonstriert. Foto: KNA
Auf die Straße. Bereits am Sonnabend wurde mit Kreuzen gegen Abtreibung demonstriert. - Foto: KNA

Rund 2000 Menschen haben bei einem "Marsch für das Leben" gegen Abtreibung demonstriert. Rund 500 Gegendemonstranten mischten sich unter die "Freunde des Lebens".

Der junge Mann mit dem nackten Oberkörper, mit schwarzen Jeans und dunkler Sonnenbrille, greift zum selbst gebastelten Sperrholzschild und hält es in die Höhe, als sich der „Schweigemarsch für das Leben“ vor dem Bundeskanzleramt in Bewegung setzt. Viele denken, er gehört zu den Gegendemonstranten, die sich pfeifend im autonomen Outfit unter die Abtreibungsgegner mischen. Doch auf seinem Schild steht: „Weil meine Mutter siegte, der Abtreibung entkommen.“

Tom Neef (23) engagiert sich für den Bundesverband Lebensrecht. Sonnabend früh ist der Heilerziehungspfleger aus Zwickau nach Berlin gefahren, weil er sich „jeden Tag darüber freut, dass mich meine Mutter entgegen anderer Ratschläge behalten hat“.

Am Nachmittag demonstriert er mit rund 2000 teils aus ganz Deutschland angereisten Gleichgesinnten erst im Regierungsviertel und dann beim Umzug bis zum Bebelplatz gegen „den Mord im Mutterleib“.

Vor allem Katholiken und freikirchliche Protestanten laufen mit, etliche Jugendliche und junge Familien sind dabei. Die Menge ist ähnlich bunt und altersgemischt wie die etwa 500 Gegendemonstranten, so dass oft nur die Plakate verraten oder die Lautstärke klarmacht, wer auf welcher Seite steht. Die „Freunde des Lebens“, wie sie sich nennen, tragen auf dem Weg zu ihrem Abschlussgottesdienst in der St.-Hedwigs-Kathedrale schweigend weiße Holzkreuze, Gegner begleiten sie trötend am Straßenrand.

Etwa 200 Polizisten, die den Umzug begleiten, schwitzen in der Sonne, haben aber nicht viel zu tun. „Keine Zwischenfälle“, meldet ein Polizeisprecher und drückt die Hoffnung aus, dass es beim Protest gegen den Papstbesuch in Berlin am Donnerstag ebenso friedlich bleibt. Für diesen Umzug wird am Sonnabend unter den Gegendemonstranten schon kräftig mobilisiert. „Da nehmen wir auch teil“, sagt Birgit de Wall, Landeschefin der Beratungsstelle Pro Familia. Und sieht sich in ihrer Kritik an der Kirche bestätigt durch ein verlesenes Grußwort des neuen Erzbischofs Rainer Maria Woelki an die Abtreibungsgegner. „Sie leisten Kostbares für die Kultur des Lebens“, heißt es darin. Die vom Lesben- und Schwulenverband organisierte Demo gegen den Papst beginnt am Donnerstag um 16 Uhr am Potsdamer Platz. Weiter geht es Unter den Linden zur Kundgebung am Bebelplatz. Christoph Stollowsky

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