Berlin : Krieg der Kinowelten

Das Filmmuseum will seine Ausstellung umbauen

Andreas Conrad

Der Tod kommt ganz harmlos daher. Ihrer Kampfmaschine haben die Marsianer eine ausgesprochen gefällige Form gegeben, rund wie ein Handschmeichler, einer Flunder nicht unähnlich. Auch dem oben herausragenden Tentakel sieht man nicht an, dass es kein Periskop für die im Raumschiff herumsausenden Aliens ist, sondern eine Waffe, deren Hitzestrahlen Tod und Verderben bringen.

„Marsianische Kampfmaschine – Replicat. ,Kampf der Welten’, USA 1953“ – die knappen Informationen neben dem großen Schaukasten im Filmmuseum sind notwendigerweise rückwärts gewandt. Kein Wort also über die Bedeutung, die die alte Marsflunder dieser Tage gewinnt: „Kampf der Welten“ war die erste Verfilmung von H.G. Wells’ Roman „Krieg der Welten“, den Steven Spielberg heute weltweit erneut in die Kinos bringt. Das ausgestellte Raumschiff von 1953 – ein Nachbau aus den 70er Jahren – ist somit der Urahn der dreibeinigen Todesmaschinen, denen Tom Cruise immer wieder entwischt.

Auf die museale Konsequenz, Flunder und Dreibein Seite an Seite hinter Glas, dürfen Filmfreunde kaum hoffen. Zum einen entziehen sich computergenerierte Bilder herkömmlicher Vitrinen-Präsentation, zum anderen steht ohnehin der Ausstellungsteil „Künstliche Welten“ zur Disposition. Trübe Aussichten also für King Kong, Sinbad, Darth Vader, Spider-Man und auch das Raumschiff vom Mars.

Schwerpunkt der Sammlung im Museum an der Potsdamer Straße 2 ist die deutsche Filmgeschichte, bei Schimanski und „Lola rennt“ aber ist Schluss. Ein Mangel, der dadurch behoben werden soll, dass die deutsche Sterne in den auch räumlich getrennten Bereich vordringen, der bislang der Sammlung des Trickfilmers Ray Harryhausen und dem Genre Science Fiction vorbehalten war. „Good Bye, Lenin!“ also statt George Lucas?

„Eher Ende nächsten Jahres“, so umschreibt Museumsdirektor Hans Helmut Prinzler den Zeitrahmen für die Neugestaltung. Ob er sich vorstellen könne, dass die „Künstlichen Welten“ ganz verschwinden? „Eigentlich nicht.“ Wie Monster und Raketen erhalten werden können, ist derzeit aber unklar. Bislang hat man noch keinen alternativen Ausstellungsort für Harryhausens Welt gefunden, die in Berlin nur leihweise zu sehen ist. Das Museum entrichtet für die Schaustücke eine jährliche Gebühr an die Ray Harryhausen Foundation.

Zwischen den Bereichen „Deutsche Filmgeschichte“ und „Künstliche Welten“ sei keine wirkliche Balance gefunden worden, beschreibt Prinzler das Dilemma. Andererseits weiß auch er um die Attraktivität von King Kong & Co. gerade bei den jüngeren Besuchern, die mit Spider-Man nun mal mehr anzufangen wissen als mit Marlene Dietrich.

Die „künstlichen Welten“ gründen sich auf einer der weltweit größten Sammlungen zu diesem Thema, die 1985 von dem Filmhistoriker Rolf Giesen eingerichtet wurde und gerade auch in Hollywood einen guten Ruf hat – doch nicht nur dort. 2003 hatte der „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson aus Berlin einige Requisiten von „King Kong“ mit nach Australien genommen. Das Berliner Museum besaß sie nur leihweise, verfügte wohl über ein Vorkaufsrecht, konnte aber mit den von Jackson gebotenen Summen nicht konkurrieren. Für den Regisseur hatten der erworbene Flugsaurier, die Gasbombe und die Seemannsfigur besondere Bedeutung: Sein mittlerweile weitgehend fertig gestelltes Remake des alten Films von 1933 war schon in Planung. Immerhin, King Kongs Kopf blieb hier.

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