Berlin : Kriminalität: Organisierte Verbrechen stark gestiegen

Die Organisierte Kriminalität ist in einem alarmierenden Maße gestiegen. Die Polizei ermittelte im vergangenen Jahr in 124 Fällen, 36 mehr als 1999. Damit wurde "das ohnehin hohe Niveau erheblich überschritten", sagten Justizsenator Diepgen und Innensenator Werthebach am Mittwoch.

Allerdings sei auch die Zahl der erfassten Täter in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, im vergangenen Jahr waren es 1498. Die Tatverdächtigen stammten aus 47 Staaten. 45,6 Prozent von ihnen sind Deutsche, gefolgt von Türken, Polen, Jugoslawen, Ukrainern und Vietnamesen. Die Staatsanwaltschaft erhob in 149 Fällen Anklage, die bisher zu 65 Verurteilungen führten. Laut Diepgen wollen Staatsanwaltschaft und Polizei künftig enger zusammenarbeiten, um Verfahren zu beschleunigen.

"Berlin ist als Ballungsgebiet immer stärker vom Organisierten Verbrechen betroffen", sagte Diepgen. Im Bundesvergleich wurden im Jahr 2000 15,6 Prozent aller Fälle in diesem Bereich in der Hauptstadt ermittelt. 1999 waren es noch 10 Prozent. Ursache für das steigende Interesse organisierter Banden sind nicht nur in der Nähe zu Osteuropa, sondern auch in der immer besser werdenden Infra- und weit gefächerten Wirtschaftsstruktur zu suchen. Die meisten Delikte fallen in den Bereich der Wirtschaft, betreffen Eigentumskriminalität, Rauschgifthandel und -schmuggel sowie das Rotlichtmilieu. Auch für Schleuserbanden wird die Stadt immer interessanter. Schwerpunkte bilden nach Einschätzung der Polizei vor allem Russen-Banden, deren Akteure besondere Gewaltbereitschaft an den Tag legen. Der von vietnamesischen Großfamilien kontrollierte illegale Zigarettenhandel verlagere sich zunehmend in das Umland. Angesichts der internationalen Verknüpfungen in der Organisierten Kriminalität und nicht zuletzt vor dem Hintergrund der anstehenden EU-Erweiterung plädierten beide Politiker für eine stärkere Kooperation mit ausländischen Polizei- und Justizkollegen.

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