Berlin : Kriminalität: Rentnerin misshandelt und Yorkshire-Terrier geraubt

Den 23. Januar 2001 wird Hildegard Krüger nie vergessen. Die Witwe wurde in ihrer Laube im Pankower Ortsteil Blankenburg von zwei Männern überfallen. Außerdem raubte das Duo der Frau ihre zehn Yorkshire-Terrier. Wert der Beute: 50 000 Mark. Gegen zwei Tatverdächtige hat die Staatsanwaltschaft jetzt wegen schweren Raubes und Körperverletzung Anklage erhoben. Ein Prozesstermin steht aber noch nicht fest.

Die beiden Räuber hatten sich am Vormittag telefonisch bei der Frau angemeldet. Einer gab sich als Polizist aus. Er wolle einen jungen Yorkshire-Terrier als Geschenk für seine Freundin kaufen. Ein Kollege sei auch interessiert. Am Abend erschienen sie dann in der Laube. Eine Stunde wurde belangloses geplaudert. Als die Hundezüchterin fragte: "Wollen sie nun einen Hund haben oder nicht?" rasteten ihre Besucher aus. Eine Stunde lang wüteten die Räuber in der Laube. Die 75-Jährige wurde mit Handschellen an einen Lehnstuhl gefesselt. Die Täter umwickelten ihre Hand- und Fußgelenke mit Klebeband und droschen dem wehrlosen Opfer mit einem rund 50 Zentimeter langen Schlagstock auf die Handrücken. Sie schmierten der Seniorin Schmalz ins Haar und stäubten Mehl darüber. Möbel wurden umgestoßen, und Geschirr wurde zerschlagen. Die beiden räumten Schränke aus, verschütteten Mehl und Zucker auf dem Boden, sie zerschnitten das Telefonkabel und warfen den Apparat ins Spülwasser. Sogar die Brille der 75-Jährigen wurde zertreten: "Du brauchst jetzt keine Brille mehr." Vor ihrem Abmarsch steckten die Räuber die zehn Yorkshire-Terrier in die Transport-Boxen und nahmen auch die Zuchtbücher an sich.

Die 75 Jahre alte zuckerkranke Witwe züchtet seit 25 Jahren Hunde. Zuerst waren es Pudel, später Yorkshire-Terrier. Die Frau gilt als eine der ersten Züchterinnen dieser Hunderasse in der DDR. "Meine Hunde waren alles für mich", sagte die Frau nach dem Überfall. Als Tatverdächtige ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft den 48-jährigen Frank B. und den 56-jährigen Michael G.. Während der Jüngere den Überfall nach Angaben von Justizsprecher Sascha Daue bestreitet, legte der Komplize ein Teilgeständnis ab. Ja, sie hätten die Frau überfallen, aber gewalttätig seien sie nicht geworden. Über das Motiv können die Ermittler sich bis heute so richtig kein Bild machen.

Drei Tage nach dem Überfall hatte eine Unbekannte zehn Yorkshire-Terrier von einem Tierarzt in Kleinmachnow am Stadtrand Berlins untersuchen lassen. Die kleinen Hunde waren da stark verschmutzt und verwahrlost. Sie wurden zur Pflege auf einen Pferdehof im brandenburgischen Märkisch-Oderland gebracht. Gleichzeitig war ein Bekennerschreiben militanter Tierschützer aufgetaucht, unterzeichnet mit "Die Krallen".

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