Berlin : Kriminalität: Taxifahrer leben gefährlich

weso

Die Zahl der Überfälle auf Taxifahrer ist dieses Jahr drastisch gestiegen. Bis Ende Juli registrierte die Polizei bereits 39 Taten, im gesamten Jahr 2000 waren es 40 Raubüberfälle. Die Taxi-Innung rät ihren Mitgliedern, die Fahrzeuge mit Videokameras auszustatten, die den Innenraum überwachen und die Fahrgäste filmen. Nach einem Überfall kann der Täter anhand der Videobilder womöglich identifiziert werden.

Inzwischen gibt es noch immer keine Spur von dem Täter, der Sonnabend früh in Babelsberg den Berliner Taxifahrer Siegfried M. ermordete. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hat inzwischen 10 000 Mark Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung der Tat führen.

Wie berichtet, war M. am Sonnabend gegen 6.20 Uhr zusammengesunken hinter dem Steuer seines Taxis gefunden worden. Der abgeschlossene Wagen stand an der Rosenstraße in Potsdam-Babelsberg. Als die von dem Spaziergänger gerufene Polizei die Seitenscheibe des Wagen zertrümmerte, war der Fahrer bereits tot. Erschlagen von seinem letzten Kunden. Als Tatzeit gab die Kripo zwischen 3.20 Uhr und 6 Uhr an. Die Wagenschlüssel und die Geldbörse des Taxifahrers sind verschwunden. Zuletzt wurde Siegfried M. gegen 3.20 Uhr an der Baikalstraße in Lichtenberg lebend gesehen.

In Berlin sind seit 1985 sechs Morde an Taxifahrern ungesühnt geblieben. Darunter ist der Mord an dem Taxifahrer Uwe Bischoff. Er war am 9. Juli 1992 mit seinem Mörder von Berlin nach Basdorf gefahren und dort getötet und ausgeraubt worden.

Für die Kripo sind Morde an Taxifahrern besonders schwierig zu ermitteln, denn es gibt nur wenig Spuren, die einem Täter zugeordnet werden können. Ein Taxi sei für die Arbeit der Spurenexperten ein ungünstiger Tatort. Da die Taten meist in den Nachtstunden geschehen, gibt es selten Zeugen, und kaum jemand vermag zu klären, wo der letzte Fahrgast das Taxi bestieg.

Die Taxi-Innung rät ihren Mitgliedern zur Videoüberwachung in den Fahrzeugen und zur bargeldlosen Zahlung. Bisher gebe es erst in etwa 50 der knapp 7000 Berliner Taxen Videokameras. Sie seien mit Anschaffungs- und Montagekosten von etwa 2300 Mark auch relativ teuer, sagte der stellvertretende Innungschef Bernd Dörendahl. Allerdings könne bereits in über 50 Prozent der Fahrzeuge mit EC- oder Kreditkarte bezahlt werden. Je weniger Geld ein Fahrer in den Taschen habe, desto geringer sei die Gefahr, überfallen und beraubt zu werden. Dörendahl hält den Abschreckungseffekt durch außen am Wagen angekündigte Videoüberwachung für erfolgversprechend. Ein Ortungssystem wie GPS (Global Positioning System), mit dem per Satellit der Standort des Wagens festgestellt werden kann, helfe nicht, eine Tat zu verhindern, sondern nur, den angegriffenen und hilflosen Fahrer schneller zu finden. Nur selten sei man allerdings schnell genug am Tatort, um den Täter dann noch zu fassen. Zur Zeit sind etwa 1500 Berliner Taxis mit dem GPS-System ausgerüstet, sagte Döhrendahl.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben