Kriminalität : Weniger Einbrüche in Berlin - gegen den Bundestrend

Kriminelle weichen offenbar auf andere Regionen aus. In Brandenburg und anderen Regionen sind die Zahlen der registrierten Einbrüche gestiegen.

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In Berlin gehen die Zahlen der registrierten Einbrüche zurück.
In Berlin gehen die Zahlen der registrierten Einbrüche zurück.Foto: dpa

Für Einbrecher hat Berlin im vergangenen Jahr an Attraktivität verloren – die Kriminellen gehen stattdessen vermehrt in anderen Bundesländern auf Beutezug. Während die Zahl der registrierten Einbrüche in Berlin im vergangenen Jahr wie berichtet leicht zurückging, wurden im Jahr 2015 im Bundesgebiet offenbar deutlich mehr Einbrüche verübt.

Die Tageszeitung „Die Welt“ hatte berichtet, dass die Zahl der Einbrüche im Bund sprunghaft um knapp zehn Prozent gestiegen sei. Insgesamt seien im Jahr 2015 mehr als 167.000 Einbrüche in Wohnungen und Häuser gezählt worden. Besonders die Bundesländer Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hätten unter einem massiven Anstieg der Einbruchskriminalität gelitten – in Hamburg seien 20 Prozent mehr Einbrüche als im Jahr 2014 verübt worden.

Berliner Markt ist übersättigt

Eine offizielle Bestätigung dieser Zahlen durch das Bundesministerium des Innern steht allerdings noch aus. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) will die deutschlandweite Polizeiliche Kriminalstatistik Mitte Mai vorstellen – sein Ministerium äußerte sich am Mittwoch nicht zu im Raum stehenden Zahlen. Derzeit laufe ein „intensiver Abstimmungsprozess zwischen den Ländern und dem Bund“, hieß es aus dem Ministerium – erst am Ende könne eine gemeinsame Statistik präsentiert werden. „Bei den jetzt veröffentlichten Zahlen kann es sich allenfalls um ungesicherte Informationen aus dem Abstimmungsprozess handeln, die nicht kommentiert werden“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Ausgerechnet Berlin scheint sich mit Erfolg gegen den bundesweiten Trend zu stemmen. Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt hatten Ende Februar ihre vorläufige Bilanz zur Kriminalitätsentwicklung im Jahr 2015 vorgestellt – demnach wurden letztes Jahr insgesamt 11.815 Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser registriert. Nach 12.159 Einbrüchen im Jahr 2014 entspricht dies einem leichten Rückgang von 2,8 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt bei 8,5 Prozent, konnte aber im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls verbessert werden – damals hatte sie bei 6,6 Prozent gelegen.

Außerdem war eine Verschiebung bei den Einbruchszielen in der Hauptstadt festzustellen: Während die Zahl der Wohnungseinbrüche in Berlin um 10,4 Prozent auf 8457 Fälle sank, stieg die Zahl der Einbrüche in Villen und Einfamilienhäuser um 23,2 Prozent auf jetzt 3358 Fälle an. 42 Prozent der Einbruchsversuche blieben erfolglos.

Zahl der registrierten Fälle von Wohnungseinbrüchen mit Diebstählen, von 1994 bis 2015

Foto: Tsp

„Bei Wohnungseinbrüchen stehen wir besser da als viele andere Gegenden in Deutschland“, hatte Henkel gesagt. Für den Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux kommt in den anderen Ländern nur eine Entwicklung an, die in Berlin schon vor Längerem einsetzte. „Den großen Sprung gab es bei uns schon vor einigen Jahren. Ich vermute, dass der Markt in Berlin übersättigt ist und die Einbrecher andere Bundesländer für sich entdecken“, sagte Lux. Zwischen 2011 und 2012 waren die Einbrüche in Berlin um 26 Prozent gestiegen, seitdem sind die Zahlen auf hohem Niveau relativ stabil.

Lux’ Einschätzung passt zu den Zahlen aus Brandenburg, die vergangene Woche vorgestellt worden waren. Demnach wurden im Nachbarland 11,2 Prozent mehr Einbrüche verübt als 2014, insgesamt wurden 4436 Einbrüche in Wohnungen und Häuser registriert. Im Jahr 2014 waren 3991 Einbrüche gezählt worden.

Die Deutsche Polizei-Gewerkschaft forderte am Mittwoch die Einrichtung einer bundesweiten Datenbank, um Einbrecherbanden zu bekämpfen. „An dieser Stelle verhalten sich die Länder immer noch wie Provinzfürsten“, sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt. Auch härtere Strafen sind laut Wendt notwendig, um „zumindest auf einen Teil der Täter abschreckend zu wirken“.

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