KRIMINALITÄTSATLAS : Brutale Zonen

PROBLEMKIEZE

Im Januar 2004 hatte der Innensenator eine Analyse unter dem Namen „Problemkiez-Atlas“ herausgegeben. Gezählt wurden dabei kiezbezogene Straftaten, also solche, die von Bewohnern im eigenen Umfeld begangen und der Polizei bekannt wurden.

Doch bei den Bezirkspolitikern war die „Problemkiez-Analyse“ stark umstritten: Sie warfen der Polizei vor, dass einzelne Bezirke stigmatisiert würden.

Seitdem hat die Polizeiführung das Wort „Problemkiez“ im Sprachgebrauch der Behörde durch „Kriminalitätsbelasteter Ort“ ersetzt. Die alljährliche Kriminalitätsstatistik wurde bislang nicht nach Bezirksregionen gegliedert. Dies soll sich im nächsten Jahr ändern.

GEFÄHRLICHE ORTE

In dem Atlas von 2004 wurden neun Problemkieze genannt, in denen die Lage in Richtung „Ghettoisierung“ umzukippen drohe:

Soldiner Kiez in Wedding, Beusselkiez in Moabit, Neukölln-Nord (z. B. Rollbergviertel), Schöneberg- Nord, Charlottenburg- Nord (rund um den Klausenerplatz) sowie in Spandau die Wasserstadt Oberhavel, die Wilhelmstadt, das Falkenhagener Feld und die Neustadt Spandau. Diese Gebiete zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sich dort Straftaten wie Körperverletzung, Rauschgifthandel, häusliche Gewalt und Sexualdelikte konzentrierten, heißt es im Atlas. Gründe seien u. a. die hohe Arbeitslosigkeit und Verwahrlosungstendenzen.

GEWALT IN ZAHLEN

Laut einer Boulevardzeitung gibt es zehn Polizeiabschnitte mit außerordentlichen hohen Gewaltzahlen: Danach läge Lichtenberg (Abschnitt 64) mit 220 524 Fällen an Platz 1, gefolgt von Marzahn (Abschnitt 62) mit 16 579 Fällen und Kreuzberg-Nord (Abschnitt 53) mit 15 803 Fällen.

Doch laut Polizei ist diese Zählung nicht aussagekräftig. Denn hier wurde nur die Zahl der Anzeigen addiert. Um aber eine relevante Aussage treffen zu können, müssten die Zahlen „aufbereitet“ werden mit Differenzierungen nach Einwohnerzahl, Art der Delikte und Umfeld. „Was da veröffentlicht wurde, ist kein ,Atlas der Angst’, sondern ein ,Atlas der Angstmache’“, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch.tabu

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