Berlin : Kriminalitätskiller Kälte: Geklaut wird nur, was einheizt

Jörn Hasselmann

Bremst die Eiseskälte auch die Lust auf Verbrechen? Mit Interesse hatten Berliner Polizisten die Nachricht aus Estland aufgenommen, dass dort die Kriminalität wegen des strengen Frosts um 50 Prozent gesunken sei. Bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad sei es viel seltener zu Einbrüchen und Schlägereien gekommen, berichteten Nachrichtenagenturen aus der estnischen Hauptstadt Tallinn. Mit Zahlen lässt sich dieser Effekt für Berlin nicht belegen, doch berichten Polizisten, dass es „ab abends ruhiger ist, wenn es knackekalt ist“. Einbrecher, Räuber und Vandalen sitzen demnach lieber zu Hause vor der Heizung, als auf Tour zu gehen.

Allerdings boomt bei großer Kälte offensichtlich eine ganz besondere Art von Beschaffungskriminalität: „Therme mit Boiler aus Neubau entwendet“ oder „Propangasflaschen entwendet“ lauteten am Freitag zwei Polizeiberichte aus dem Umland. Da die Täter in beiden Fällen geflohen sind, konnten sie nicht zum Motiv befragt werden.

An den eiskalten Januartagen klingelte der Notruf in Berlin 4000 Mal, rückten die Funkstreifen täglich 2000 Mal aus. Denn Kälte macht den Einsatzkräften eben auch Arbeit: Wenn eingefrorene Wasserleitungen platzen, müssen Straßen gesperrt werden (gestern zweimal in der Hildburghauser Straße in Lichterfelde und Am Postfenn in Charlottenburg). Und wenn Autos wegen der Kälte auf der Autobahn stehen bleiben, müssen Gefahrenstellen gesichert und Autos abgeschleppt werden.

Pkw seien in dieser Woche dutzendfach liegen geblieben, resümiert die Polizei. Die Ursache sei vielen Autofahrern offensichtlich noch nicht geläufig: Dass nämlich durch den Fahrtwind die Kühler trotz des Frostschutzes einfrieren können. Und da auf der Autobahn schnell gefahren wird, froren dort besonders viele Autos ein, selbst wenn der Frostschutzhersteller Funktionsfähigkeit bei minus 30 Grad versprochen hatte.

Die Feuerwehr registriert derzeit eher mehr Arbeit als sonst. Mehrfach riefen in der vergangenen Woche besorgte Bürger an, weil sie verdächtigen Rauch gesichtet hatten. Die Feuerwehrleute trafen dann meist Arbeiter an, die sich auf Baustellen ein Feuerchen angezündet hatten, um sich aufzuwärmen. Drei echte Brände gab es im Berliner Umland, weil Hausbesitzer wegen der Kälte zu stark eingeheizt hatten. Zwei Bungalows und eine Garage brannten nieder, weil selbst gebaute Öfen das Mobiliar in Brand setzten.

Der „klassische Winter-Notruf“ dagegen sei in den vergangenen Eistagen noch nicht eingegangen, hieß es gestern beim Lagedienst der Feuerwehr. Der heißt: „festgefrorener Schwan“. Im Übrigen habe es, so die Feuerwehr, noch nie einen festgefrorenen Schwan gegeben. „Immer wenn wir uns in solch einem Fall dem Tier genähert haben, flatterte der Schwan weg“, sagt ein Beamter. „Die können offensichtlich gar nicht festfrieren.“

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