Berlin : Krimistunde im Möbelhaus

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Der Schriftsteller mit Charakterkopf und Seidenhalstuch sitzt an einem scheinbar antiken Schreibtisch. Eine verschnörkelte Messingleuchte wirft warmes Licht auf das Buch voller Lesezeichen in seinen Händen. An den Möbeln hängen große Preisschilder. Krimiautor Burkhard Driest nimmt an diesem Donnerstagabend keinen Werbespot für Qualitätsmöbel auf – auch wenn die Szenerie darauf hindeutet. Nein, er liest bei Krieger an der Genthiner Straße aus seinem Buch „Liebestod“, dem zweiten Roman um Toni Costa, Kommissar auf Ibiza – Driests Wahlheimat. Der 66Jährige beginnt nicht sofort zu lesen. Erst erzählt er von dem Musical „Falco meets Amadeus“, zu dem er das Libretto schrieb. Und von seiner Zeit als Schauspieler und Drehbuchautor.

Der dunkle Teil seiner Vergangenheit – Driest saß Ende der Sechziger wegen Bankraubs fünf Jahre im Gefängnis – scheint abgeschlossen. „Die Bösen langweilen mich. Das habe ich hinter mir“, sagt Driest heute – zumindest über seine Geschichten. Vielmehr interessiere ihn die Perspektive des Kommissars. Und dann fängt er endlich an zu lesen. Um Frauenleichen mit klangvollen Namen wie Xenia oder Francesca geht es und um eine „Versunkenheit sexueller Posen“. Er nuschelt leicht, hebt und senkt die raue Stimme dramatisch. Bei jedem zweiten Satz zieht er die Augenbrauen nach oben, die Augäpfel rutschen nach unten. Neben Driest ist eine Bibliothekseinrichtung ausgestellt – schließlich hat ein Regalhersteller die Lesung mitorganisiert. Doch dafür haben die Zuhörer kaum einen Blick übrig. dma

Burkhard Driest liest noch einmal: am 10. November, 20 Uhr, Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 36.

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