Berlin : Kripo geht schärfer gegen Gewalttäter vor

Polizeipräsident Glietsch will Ermittlungen im Rahmen seiner Strukturreform zentralisieren

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Polizeipräsident Dieter Glietsch macht mit der angekündigten Organisationsreform der Berliner Polizei Ernst. Von April des kommenden Jahres an soll das Landeskriminalamt (LKA) neu gegliedert und gestrafft werden. Dabei will Glietsch auch die Bekämpfung von schweren Gewaltdelikten verbessern. Die Ermittler sollen künftig zentral im LKA arbeiten und dadurch eine schlagkräftigere Truppe werden. Zur Zeit befassen sie sich teilweise auch in den örtlichen Direktionen mit Mord und Sexualvergehen, Kindesmisshandlung und anderen Delikten am Menschen. Im Bereich der Schutzpolizei will Glietsch gleichfalls ab April die obersten Führungsstäbe personell stark abbauen und die Zahl der örtlichen Polizeidirektionen von sieben auf sechs verringern.

Ein genaues Bild seiner Strukturreform entwarf der Polizeipräsident gestern vor dem parlamentarischen Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Was die Parlamantarier dabei gerne hörten: Obwohl das LKA seine zentrale Funktion bei der Verbrechensbekämpfung behalten soll und einzelne Ermittlungsbereiche sogar noch verstärkt werden, stellte Glietsch ihnen in Aussicht, durch seine Reform Geld zu sparen. So könne das Personal des Landeskriminalamtes um etwa 550 Mitarbeiter von zur Zeit rund 3 600 auf 3 050 reduzieret werden. Dies lasse sich durch eine gestraffte Organisation, durch die Abgabe kleinerer Vergehen an die Direktionen sowie durch „einheitliche, deliktbezogene Ermittlungen“ erreichen, die auch die Aufklärungsrate verbessern könnten.

Branddelikte, die jetzt noch Polizeidirektionen bearbeiten, sollen künftig ins LKA verlagert und dort aufgeklärt werden. Rund 400 Beamte sollen sich überdies mit einer intensiveren Aufklärung von Wirtschafts-, Betrugs-, Korruptions- und Umweltstraftaten befassen. Auch „grenzüberschreitende Kriminalität“, zu der die Polizei nun auch illegale Beschäftigungen von Ausländern zählt, will Glietsch künftig stärker verfolgen. Kleinere Delikte wie einfacher Betrug sollen hingegen nur noch direkt in den Polizeidirektionen ermittelt werden, in denen sie geschehen sind.

Auch in seinem eigenen Leitungsbereich will Polizeipräsident Glietsch mit weniger Personal auskommen. Gegenwärtig versehen in den Führungsstäben von Präsidium und Landesschutzpolizeiamt knapp 400 Personen ihren Dienst. Künftig sollen es nur noch rund 270 sein. Das überzählige Personal soll auf die verbleibenden sechs Direktionen verteilt werden.

Deren Gebiete werden an die bestehenden Bezirksgrenzen angeglichen. Mit den Bezirken Lichtenberg, Marzahn, Hellersdorf, Treptow und Köpenick soll die neue Direktion 6 dann die grösste Polizeidirektion sein. Nur vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzmisere sei dies hinnehmbar, meinte der Grünen-Abgeordnete Wieland, warnte jedoch, es dürfe „kein Verlust an Bürgernähe eintreten“. SPD und PDS begrüßten die Pläne. O.D.

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