Krise : Mehr Berliner klagen über Tiere

Der Tierschutzbeauftragte registriert Klagen über Hunde an Seen und Tauben an Bahnhöfen. Mehr Berliner geben aus Not Tiere ins Heim.

Anna Corves

BerlinWirtschaftliche Notlagen zwingen immer mehr Berliner dazu, ihre Haustiere abzugeben. Das geht aus dem Jahresbericht des Landestierschutzbeauftragten Klaus Lüdcke hervor, den dieser am Freitag gemeinsam mit Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) vorgestellt hat.

Die im Oktober vergangenen Jahres gegründete „Tiertafel“ in Treptow werde stark in Anspruch genommen, auch die kontinuierlich überbelegten Tierheime bekämen die Entwicklung zu spüren, heißt es darin. Marcel Gäding, der Geschäftsführer des Tierschutzvereins, bestätigt das: „Rund ein Viertel aller Tiere werden abgegeben, weil die Besitzer die Futter- oder Tierarztkosten nicht mehr bezahlen können.“ Der Anteil dieser Fälle steige seit einigen Jahren, werde durch die Wirtschaftskrise aber nochmals verstärkt. Ob Jobverlust oder Altersarmut: „Das zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten, da werden zum Teil langjährige soziale Bindungen zerstört.“

Ein weiteres Problem, auf das der Tierschutzbeauftragte Lüdcke hinweist, ist das so genannte „animal hoarding“, das Tiersammeln. Schlagzeilen machte etwa ein 60-jähriger Mann aus Spandau, der in seiner Wohnung 1500 Wellensittiche hielt. Kein Einzelfall, wie Marcel Gäding vom Tierschutzverein weiß. „Damit haben wir auch zunehmend zu tun, weil Nachbarn und Veterinärbehörden glücklicherweise genauer hingucken.“ Erst kürzlich seien bei einem Mann in Treptow-Köpenick rund 600 Exoten sichergestellt worden, darunter Schildkröten, Geckos und Schlangen. Der Mann hatte sie für den Internethandel gezüchtet und den Überblick verloren. „Das bedeutet für uns immense Kosten, die meisten dieser Tiere haben noch nie einen Tierarzt gesehen und sind mangelhaft ernährt.“

Insgesamt 589 Meldungen sind beim Landestierschutzbeauftragten im vergangenen Jahr eingegangen, vom in die Regenrinne gefallenen Vogel bis zu Beschwerden über die Haltung der Bären im Köllnischen Park. Sehr häufig werden Lüdcke Konflikte gemeldet, wenn Jogger, Spaziergänger und Badegäste auf Hunde und ihre Halter treffen. Dann kann es selbst im Grunewald zu eng werden, besonders an Badestellen, an denen Hunde ins Wasser gelassen werden. Oft sei dabei aber nicht das Tier das Problem, „sondern der Mensch am anderen Ende der Leine“, heißt es in dem Bericht. Lüdcke setzt sich für einen „Hundeführerschein“ ein. Wichtig seien auch kieznahe Auslaufgebiete. Im vergangenen Jahr wurden zwei neue Anlagen in Charlottenburg-Wilmersdorf eröffnet.

Ein Thema, das viele Berliner im vergangenen Jahr bewegte, konnte kürzlich vorerst zu den Akten gelegt werden: Der Schutz der Kutschpferde vor dem Brandenburger Tor. Hierzu wurde im Frühjahr eine Leitlinie verabschiedet, „seitdem haben sich die schwarzen Schafe verzogen“, sagt Lüdcke. Unverändert provozieren die Stadttauben Beschwerden. Sie werden an belebten Plätzen wie Bahnhöfen gefüttert und belasten Gebäude und Menschen. Der Tierschutzbeauftragte betont, dass von den Tauben keine Gesundheitsgefahr ausgehe und ihre Zahl konstant bei etwa 50 000 liege. Er fordert weitere Taubenschläge, in denen die Eier zur Populationsminderung gegen Toneier ausgetauscht und kranke Tiere behandelt werden könnten. Für Lüdcke wird es weiterhin viel zu tun geben. Senatorin Lompscher gab bekannt, dass ihn der Senat für weitere zwei Jahre berufen habe.

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