Berlin : Krisen und Kultur

Berlin und Buenos Aires verbindet mehr als nur die Städtepartnerschaft

Martín E. Hiller

Argentinien? Da gibt’s doch nur Rindfleisch und Tango. Eines Tages wollte Manuel Esnoz zeigen, dass da noch mehr ist: Der argentinische Künstler schuf die Ausstellung „No tango“. Die Bilder, Videos und Installationen seiner Landsleute befassen sich mit allem möglichen, nur eben nicht mit jenem Tanz, der dem Hafenviertel von Buenos Aires entstammt. Das Kunstprojekt ist nur eine von vielen Veranstaltungen, mit denen in den kommenden zwei Monaten zehn Jahre Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Buenos Aires gefeiert werden.

Obwohl geografisch so weit auseinander, sind sich die beiden Städte doch in vielem ähnlich. Die argentinische Kapitale ist stärker von europäischen – und von deutschen – Einwanderern geprägt als jede andere lateinamerikanische Stadt. Besonders in der Musik und der Architektur macht sich das bemerkbar. Der an den Tag der Unabhängigkeit erinnernde Obelisk auf der Prachtstraße Nueve de Julio etwa wurde von Siemens errichtet. Beide Städte müssen sich mit einer prekären Haushaltslage auseinander setzen. Buenos Aires stürzte seit der Peso-Abwertung vor drei Jahren allerdings ungleich tiefer als Berlin. Es brachen Unruhen aus, verzweifelte Bürger demonstrierten vor den Banken, die ihnen ihre Ersparnisse nicht zurückgaben. Die „Geschichte der Plünderung“ wurde im gleichnamigen Film vom argentinischen Regisseur Fernando Solanas beschrieben, der auf der Berlinale 2004 für sein Lebenswerk geehrt wurde.

Derzeit haben sich Börse und Wirtschaft zwar etwas stabilisiert, aber auf einem extrem niedrigen Niveau. Ein Arzt im Krankenhaus beispielsweise verdient 700 Pesos (180 Euro) im Monat. Staatliche Unterstützung für die 30 Prozent Arbeitslosen gibt es nicht, höchstens mal einen Lebensmittelgutschein für die ganz Armen. Wie in Berlin muss auch die Zwölf-Millionen-Metropole bei der Kultur sparen. Die Gehälter der Künstler sinken, Theater schließen. Improvisation ist gefragt: Eintrittskarten werden dem Elektrizitätswerk geschenkt, damit es den Strom nicht abdreht. Die Tickets werden den Besuchern zudem stark verbilligt angeboten, sonst wären die Häuser leer. Ein Abend Klassik im Teatro Colón, der größten Oper Amerikas, ist ab 20 Pesos zu haben. Die Corrientes, die Hauptstraße der Kinos, Theater und Varietés ist auch heute noch gut besucht, obgleich sie nicht mehr wie in den 50ern gesperrt werden muss, als die Besucher aus den Dutzenden Schauspielhäusern strömten.

Während der Festwochen soll den Einwohnern beider Städte die jeweils andere Metropole nahe gebracht werden: In Buenos Aires gibt es beispielsweise ein deutsches Filmfestival, eine Schau mit Werken von Max Liebermann bis Werner Heldt – und eine Lange Nacht der Museen. Berliner DJs reisen zudem durch die Clubszene. Offiziell eröffnet werden die Festwochen in Berlin am Dienstag mit dem Konzert in der Staatsoper, bei dem der in Buenos Aires geborene Daniel Barenboim am Flügel sitzt. Weiterhin gibt es Ausstellungen, Filme und Konzerte. Und jede Menge Tango.

Informationen zum Programm unter: www.buenosaires-berlin.com

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