Kritik an BER-Verantwortlichen : Terminverzug schon seit März bekannt

Der Eröffnungstermin für den neuen Flughafen in Schönefeld kann nicht eingehalten werden. Die Verantwortlichen zeigen sich überrascht. Dabei gab es eindeutige Warnzeichen.

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Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Der Terminplan zur Fertigstellung des Flughafens BER in Schönefeld war offenbar schon seit längerem Makulatur. Der Tüv Rheinland hatte für die abschließende Prüfung der Brandschutzanlage noch keinen Termin erhalten.

Das bestätigte Tüv-Sprecher Hartmut Müller-Gerbe. Zur Prüfung der komplizierten Anlage seien mehrere Wochen nötig. Erst nach einer positiven Prüfung hätte das zuständige Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald den Betrieb genehmigen können. Landrat Stefan Loge (SPD) hatte ultimativ einen Sachverständigen-Prüfplan vom Flughafen gefordert, eine Liste, wer wann prüft und Gutachten vorlegt. Loge sagte, es „fehlte ein schlüssiges und handlungsfähiges Konzept für die Vernetzung aller Sicherheitsanlagen, nicht nur für den Brandschutz“.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke), selbst im BER-Aufsichtsrat, sagte, „das System als Ganzes funktioniert nicht“. Im Aufsichtsrat waren die Probleme mit der Anlage bereits im Dezember 2011 Thema, im März gab es deutliche Hinweis auch vom Bauamt, dass der Eröffnungstermin am 3. Juni nicht zu halten ist. Offenbar sind die Brandschutzklappen ohne nötige Zulassung verbaut worden, die nachträgliche Abnahme durch Prüfer deshalb problematisch. Insider warnen bereits davor, dass die Entrauchungsanlage komplett ersetzt werden muss.

Das Gerücht, aus Kostengründen sei auf einen wesentlichen Teil der Sprinkleranlage verzichtet worden, hält Donald Kowalke von der Brandschutzfirma Half- kann+Kirchner für unwahrscheinlich. Kowalke hat das Brandschutzkonzept für das brandenburgische Erlebnisbad Tropical Islands betreut. Bei solchen Projekten werde mit Computersimulationen geprüft, welche Maßnahmen zur Brandbekämpfung nötig sind. Dabei könne sich gezeigt haben, dass weniger Sprinkleranlagen notwendig seien. Die Softwareabstimmung sei schwierig. Sie sorge dafür, dass im Ernstfall die richtigen Brandschutztüren und Belüftungsklappen schlössen.

Die mit dem Einbau der Brandschutzanlagen beauftragte Firma Imtech war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Lufthansa wollte ihre Business-Lounge am 23. Mai mit einem Probelauf testen, doch der Flughafen habe diesen Termin „vor rund 14 Tagen abgesagt“, erklärte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. Als Begründung sei mitgeteilt worden, wichtige Versorgungsleitungen seien noch nicht fertig gestellt. (mit msl)

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