Berlin : Kritik an Qualität von Hartz-IV-Kursen

Weiterbildung läuft meist bei freien Trägern Anbieter werden regelmäßig überprüft

Sigrid Kneist

Der Fall ist drastisch. Bei einem vom Job-Center Tempelhof-Schöneberg vermittelten Ein-Euro-Job mit einem Qualifizierungskurs für junge Arbeitslose wurde ein Deutschtest mit derb-obszönen Vokabeln verlangt. Ein junger Mann verweigerte dies und brach den Lehrgang ab. Bei einer routinemäßigen Überprüfung war auch das Job-Center bereits auf diesen Test gestoßen und hatte den Träger aufgefordert, diesen sofort zu streichen. Das geschah. „Für den Mann gab es keinerlei Sanktionen“, sagte Uwe Mählmann, Sprecher der Arbeitsagentur Süd. Wer einen wichtigen Grund nenne, könne eine Maßnahme abbrechen. Der Test sei indiskutabel gewesen, das habe der Bildungsträger Kubus eingesehen und den Fragebogen gestoppt. Allerdings wurde dem Mann bisher kein neues Angebot für einen Ein-Euro-Job gemacht.

Nach Mählmanns Angaben ist dies ein Einzelfall. Die Qualität der Bildungsmaßnahmen werde durch regelmäßige Kontrollen sichergestellt. Arbeitsagenturen und Job-Center nähmen stets zehn Prozent der Lehrgänge unter die Lupe. Hinzu kämen Überprüfungen, wenn sich Teilnehmer bei ihren Vermittlern beschweren. Bei Beanstandungen werde zunächst geprüft, ob es Änderungen bei der Maßnahme selber geben kann oder ob diese gestoppt werden muss. Sei der Bildungsträger nicht kooperativ, bleibe als letztes Mittel, die Zusammenarbeit zu kündigen. Bei den drei Arbeitsagenturen und den zwölf Job-Centern in der Stadt gibt es jedoch keine Statistiken darüber, wie oft so etwas geschieht. Es sei aber sehr selten.Bei der Arbeitsagentur Nord beispielsweise kann man sich an keinen Fall erinnern, in dem eine Qualifizierungsmaßnahme gestoppt wurde.

Einen kritischen Blick hat hingegen die Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen auf die Arbeit der freien Träger. „Wir bekommen recht häufig Rückmeldungen aus unseren Beratungsstellen“, sagt Martin Künkler von der Koordinierungsstelle. Es komme immer wieder vor, dass Arbeitslose zu Maßnahmen geschickt werden, die ihnen keine weitere Perspektive bieten, dass sie beispielsweise mehrmals hintereinander den gleichen Computerkursus oder das gleiche Bewerbungstraining absolvieren sollen. Klagen kommen aber nach Künklers Angaben auch über die Qualität der Qualifizierungsmaßnahmen. In beiden Fällen rät Künkler den Betroffenen davon ab, von sich aus die Maßnahme zu beenden, um keine Sanktionen zu riskieren. Man solle stattdessen sofort das Gespräch mit seinem Vermittler suchen. Bei kürzeren Trainingsmaßnahmen helfe das aber oft nicht weiter, da eventuell der Kursus eher beendet sei, als dass man einen Termin in der Arbeitsagentur oder dem Job-Center bekommen habe. Qualitätsmängel führt Künkler darauf zurück, dass die Ämter zu sehr auf den Preis für Bildungsmaßnahmen schauen: „Sie entscheiden sich für den billigeren Träger statt für den besseren.“

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