Berlin : Kritiker mit Strohhalm und Taschenlampe

Viele Kinder kamen zur „Harry Potter“-Pressevorführung

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Über Pressevorführungen liegt für gewöhnlich kritisches Schweigen. Als gestern Vormittag „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ für die Presse vorgeführt wurde, im Filmpalast am Ku’damm, da hallte ein branchenfremdes Kichern und Quietschen im Raum, denn die Journalisten konnten ihre Kinder mitbringen. Verkleidungen gab es da keine, morgens um elf, schließlich war dies noch keine Premiere. Die rothaarige Johanna kann vor Aufregung kaum sprechen, aber in ihrem Leinenbeutel hat sie eine „Filmkritikerinnenausrüstung“: Block und Stift und eine Taschenlampe, damit sie im Dunkeln schreiben kann. Einer sagt: „Der erste Film war sehr gut gestaltet.“

Ein anderer kommt gut vorbereitet, mit Buch unterm Arm: „So sicher waren wir uns nicht mehr, was da genau passiert. Da haben wir auf dem Weg hierher nochmal nachgelesen.“ Der Junge grinst unter seiner Mütze und saugt an einem Strohhalm Cola aus der Flasche. Die elfjährigte Tanja mit dem pinken Pulli tobt mit ihrer Freundin durchs Foyer. Den ersten Film fand sie so klasse, da hat sie sich das Video gekauft, einzelne Passagen kann sie auswendig. Filme mag sie lieber als Bücher, denn „die sind nicht so dick.“ Filmkritikerin werden? Keine Lust. Lieber Schauspielerin. Und dann gehen über den auberginefarbenen Sitzen die Lichter aus, und aller Augen sehen nach Hogwarts. ded

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