Berlin : Krull, Felix Krull

Andreas Conrad

freut sich auf die Filmpremiere mit dem falschen Prinzen Moralische Entrüstung wäre jetzt natürlich das Einfachste, dazu Kopfschütteln über die Dusseligkeit der Opfer, die einem angeblichen Prinzen den Luxus frei Haus lieferten und nun in die Röhre gucken. Unser aller Reaktionen dürften in der Regel freilich differenzierter sein, denn gestehen wir es uns ruhig ein: Wir werden durch solch einen Hallodri bestens unterhalten, und eigentlich genießt er unsere Sympathie, zumindest stillen Respekt. Denn wie sonst ist zu erklären, dass beispielsweise in der Popularität der Helden Thomas Manns nach den tugendreichen Buddenbrooks gleich der Hochstapler Felix Krull kommt? Nicht zu vergessen der talentierte Mr. Ripley, erst dargestellt von Alain Delon, dann von Matt Damon. Und nicht zuletzt der vermeintliche Flugkapitän Frank Abagnale Jr., mit Leonardo Di Caprio erfolgreich in Szene gesetzt in „Catch Me If You Can“. Man muss die nun wohl beendete Karriere des vermeintlichen Adligen also vor allem als Chance sehen: Für solch eine Story musste Steven Spielberg viel Geld zahlen. Angesichts der offenen Rechnungen des neuen Felix Krull dürften die Filmrechte diesmal preiswert sein.

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