Berlin : Krumme Touren eines Motorradfans

40-Jähriger stahl 60 Maschinen und wurde nach Geständnis zu fast vier Jahren Haft verurteilt

Kerstin Gehrke

Jede freie Minute gehörte seinem Motorrad. Umso schlimmer der Tiefschlag. Seine Cross-Maschine wurde gestohlen. Geld für ein neues Motorrad hatte Michael R. nicht, denn auch seine Arbeit hatte er gerade verloren. Da griff er zu Drogen: „Der Kokain-Konsum wurde zur Hauptbeschäftigung, zur Priorität des Tages“, sagte der 40-Jährige gestern vor dem Berliner Landgericht. Vielleicht war es der Gedanke an das Schicksal seiner eigenen Maschine, der ihn im Dezember 2001 auf die kriminelle Idee brachte. Michael R. stahl in Berlin 61 Motorräder, um sich Geld für Drogen zu beschaffen. Innerhalb von neun Monaten verursachte er einen Schaden von etwa 300 000 Euro.

„Irgendwann habe ich mich einfach auf den Weg gemacht“, sagte der Angeklagte. Die ersten beiden Maschinen zerlegte er und verkaufte die Einzelteile. „Dann waren Interessenten für komplette Maschinen da.“ Er, der bereits vor vier Jahren seinen Führerschein verloren hatte, fuhr auf einem geknackten Krad durch Tiergarten, Schöneberg, Wilmersdorf oder Charlottenburg und hielt Ausschau nach „diebstahlfreundlichen“ Motorrädern. Auf seinen krummen Touren zwischen Dezember 2001 und September letzten Jahres habe er eine erstaunliche Entdeckung gemacht, sagte der Angeklagte. „Mich hat gewundert, dass so wenige Maschinen Wegfahrsperren hatten.“ Er habe nur zehn Sekunden gebraucht, um eine BMW zu knacken, ergänzte der Anwalt am Rande des Prozesses: Und, dass Michael R. ein Motorradnarr sei.

Neben bis zu den 20500 Euro teuren Motorrädern entwendete der Angeklagte auch ein Wohnmobil und drei Kleinbusse. Doch das waren eher alte Fahrzeuge. „Ich brauchte die nur zu Transportzwecken“, sagte R. Seine Beute brachte er vor allem nach Norddeutschland. Dort habe es viele Händler gegeben, die ihm die Maschinen abgenommen haben. Aufgrund von R.s Aussagen hat die Polizei bereits Ermittlungen wegen Hehlerei aufgenommen.

Michael R. geriet innerhalb kurzer Zeit immer tiefer in den Drogensumpf. Sein Kokain-Konsum habe sich „wahnsinnig gesteigert“, sagte er. Und die Bestellungen für sein Diebesgut seien „groß genug“ gewesen. Er habe es nicht geschafft, vom Kokain wegzukommen, sagte der in Kalifornien geborene Sohn einer Berlinerin und eines Amerikaners. Ein Gutachter sagte, dass R. „nur vorübergehend auf Abwege geraten ist“. Er sei intelligent und selbstkritisch. Wenn R. sein Kokainproblem in den Griff bekomme, finde er wieder Arbeit. Die Richter gingen davon aus, dass R. vermindert schuldfähig war und verhängten eine Strafe von drei Jahren und neun Monaten Haft.

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