Ku'damm-Karree : Premiere ohne Happy-End

Der Streit ums Ku'damm-Karree und seine zwei Theater nimmt kein Ende. Immerhin stellten sich erstmals alle Beteiligten - Investor, Bezirk, Bühnen - der Diskussion. Streit gab es vor allem um die Frage, ob beide Bühnen abgerissen werden sollen.

Cay Dobberke
Ku'damm-Karree
Das neue Foyer zum Theater am Kurfürstendamm. -Simulation: Ballymore

Über die Zukunft der Ku’damm-Bühnen wird weiter verhandelt, bis September muss es nach Ansicht der Eigentümer des Ku’damm-Karrees einen städtebaulichen Vertrag mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf geben. Doch ein Kompromiss ist nicht in Sicht, wie am Donnerstagabend eine Diskussion der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin zeigte. Im Amerika-Haus saßen erstmals alle Beteiligten auf dem Podium.

Armin Huttenlocher, Sprecher des irischen Investors Ballymore, zog danach ein kritisches Fazit: „Ich habe Zweifel, ob der Bezirk weiß, dass er mit seiner Meinung weit entfernt von den Wünschen der Bevölkerung und der Geschäftsanlieger am Kurfürstendamm ist.“ Ballymore will das Ku’damm-Karree für eine halbe Milliarde Euro umgestalten, das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm sollen durch einen kleineren Theaterneubau mit 650 Plätzen ersetzt werden. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) beharrte auf der Erhaltung beider Bühnen. Er sei an den einstimmigen Beschluss der BVV gebunden, wolle den Investor allerdings auch „nicht vergraulen“.

Computersimulationen von Ballymore zeigten, dass der neue Bühnenraum dem Theater am Kurfürstendamm gleichen würde – mit halbrundem Saal, Logen und der großen runden Deckenlampe. „Wo immer es geht“, wolle man die alte Gestaltung durch den Theaterarchitekten Oskar Kaufmann aufgreifen. Die Bühne und das Pausenfoyer mit Blick auf den Ku’damm sind in der ersten Etage geplant, der Eingang im Erdgeschoss.

Gestritten wurde darüber, ob der Abriss beider Theater nötig ist, damit sich das Gesamtprojekt rentiert. Huttenlocher lehnte es ab, wenigstens die Komödie zu erhalten. Das würde Teile des Eingangs „blockieren“, die Passage verlöre an Attraktivität. Dies fand Gröhler „nicht überzeugend“. Er wies auch Ballymores Darstellung zurück, es gehe um „kein typisches Einkaufszentrum“: Die geplante Mischung aus Läden, Büros, Gastronomie, Freizeiteinrichtungen, Appartments und einem Hotel „ist für mich ein Shoppingcenter par excellence“.

Theaterintendant Martin Woelffer und sein Vater Jürgen nannten ihre Einigung mit Ballymore, die den Spielbetrieb im Neubau für 20 Jahre sichern soll, einen „Strohhalm“. Es habe keine Alternative mehr gegeben, nachdem ehemalige Vermieter den Vertrag gekündigt hatten. Klaus-Jürgen Meier von der AG City forderte vor allem den Bezirk auf, „dogmatische Standpunkte aufzugeben“. Wer beide Bühnen retten wolle, müsse dafür Geld ausgeben; dazu scheine aber niemand bereit. Die Berliner Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig nannte die Theater „Juwelen“, ohne die das neue Kudamm-Karree keinen Erfolg haben könne. Cay Dobberke

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