Berlin : Ku’damm-Karree verkauft: Bühnen hoffen auf Rettung

Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate veräußert Immobilie an Eurocastle. Intendant Martin Woelffer spricht heute mit den neuen Eigentümern

Christian van Lessen

Für den Intendanten der abrissbedrohten Ku’damm-Bühnen, Martin Woelffer, keimt neue Hoffnung auf Rettung der Theater auf. Die Deutsche Bank hat den Verkauf des Ku’damm-Karrees bestätigt. Erwerber dieser und sechzig anderer deutscher Immobilien – für insgesamt zwei Milliarden Euro – ist das Londoner Investmentunternehmen Eurocastle, das von der Fortress Investment Group gemanagt wird. Darüber war, wie berichtet, seit Wochen spekuliert worden. Woelffer erwartet, dass das gesamte und höchst umstrittene Umbaukonzept für das Ku’damm-Karree zum Shopping-Center überdacht wird.

Die neuen Eigentümer halten sich noch zurück, wollen aber bereits heute mit Vertretern der Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate und mit Woelffer zur „Staffelübergabe“ für weitere Verhandlungen zusammenkommen. Banksprecher Klaus Winker sagt, der Käufer wolle die Verhandlungen „in unserem Sinne weiterführen“, spricht auch von Interesse „am Fortbestand der Einrichtungen“. Bislang soll bei dem geplanten Umbau des Gebäudekomplexes eine der Bühnen an anderer Stelle entstehen, die andere wegfallen. Woelffer meint, kein Investor könne an den Theatern und der öffentlichen Diskussion um ihre Zukunft vorbeisehen. Die Ungewissheit für die Bühnen müsse ein Ende haben.

Der Mietvertrag läuft noch bis Mitte 2007, ursprünglich war den Bühnen bis zu diesem Jahresende gekündigt worden. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) erwartet, dass das bisherige Verhandlungsergebnis des Bezirks mit der DB Real Estate über einen städtebaulichen Vertrag in den Kaufvertrag „eingeflossen“ ist.

Die SPD-Fraktion im Bezirk fordert die Verwaltung wiederum auf, alles Notwendige zu veranlassen, um ein neues Shopping-Center im Karree zu verhindern. Es müsse Alternativen geben, die dem Boulevard „insgesamt größten Respekt zollen und dem Standort eine neue Zukunftsperspektive eröffnen“.

Gottfried Kupsch, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft City-West, ist sicher, dass Bewegung in die Diskussion kommt. Er will den neuen Investoren seinen alternativen Umbau-Entwurf für das Karree vorstellen, den er mit dem Architekten Christoph Langhof entwickelt hat. Danach könnte die Häuserfront am Kurfürstendamm für eine Passage und einen Hof vor dem Hochhaus geöffnet werden, beide Theater blieben am alten Platz. Mehr als 100 000 Unterschriften sind bislang für die Rettung der traditionsreichen Bühnen gesammelt worden.

DB-Real-Estate-Sprecher Oliver Tim Ambrosius freut sich über den Verkauf der großteils leer stehenden Immobilie. Bei den Theatern aber herrscht bislang noch mehr Hoffnung als Freude.

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