Berlin : Küchenschluss im Johannesstift

Evangelische Einrichtung in Spandau schließt ihr Hotel und Restaurant. Außerdem steht die Gärtnerei vor dem Aus.

Rainer W. During

Das Evangelische Johannesstift in Spandau schließt sein Hotel samt Restaurant sowie seinen Gartenbaubetrieb einschließlich des Blumenladens. Betroffen sind 50 Mitarbeiter. Grund sind die hohen Verluste beider Einrichtungen sowie der nicht bezahlbare Investitionsbedarf.

Das seit Mitte der 90er Jahre mit dem Schwerpunkt Tagungshotel geführte Christophorus-Haus bietet in 40 Einzel- und 53 Doppelzimmern Platz für bis zu 166 Gäste. Dazu kommen 15 Konferenzräume sowie das täglich geöffnete Restaurant „Kastaniengarten“. Besonders das rückläufige Kongressgeschäft habe zum Jahresdefizit von rund 300 000 Euro geführt, sagte Johannesstift-Sprecher Tobias Kley. Vor allem aber sei das Haus wegen seiner schlechten Substanz nicht mehr wettbewerbsfähig. Eine Sanierung würde mehrere Millionen Euro kosten, die man nicht aufbringen kann.

Hotel und Restaurant sollen erst zum Ende des Jahres 2015 geschlossen werden. So sei gewährleistet, dass die zwölf Auszubildenden ihre Lehre beenden können, betont Kley. Gleichzeitig will man den übrigen 33 Beschäftigten ausreichend Zeit geben, neue Stellen zu finden.

Bereits zum Ende dieses Jahres werden aber der Zierpflanzenanbau und der Blumenladen auf dem Stiftsgelände geschlossen. Seit 2007 erwirtschaftete die Gärtnerei nach Angaben des Sprechers Verluste, 2012 lag das Minus beider Bereiche bei 159 000 Euro. Auch hier gebe es erheblichen Investitionsbedarf. Die 1966 errichteten Gewächshäuser sind in schlechtem Zustand und haben eine extrem schlechte energetische Bilanz.

Da sie keinen Satzungszweck erfüllt, wird die Gärtnerei obendrein in die nicht gemeinnützige Service GmbH des Johannesstifts ausgelagert. Das ist eine von inzwischen rund 20 Firmen, die den Johannesstift-Konzern bilden. Die Friedhofsgärtnerei und die beiden Läden am Spandauer Friedhof In den Kisseln seien in der Lage, langfristig kostendeckend zu arbeiten, erklärte der Stiftsvorstand. Auch die für die Pflege des Stiftsgeländes zuständige Parkgärtnerei bleibt erhalten.

Das im Jahr 1858 von Johann Hinrich Wichern gegründete Johannesstift ist eine der ältesten und größten diakonischen Einrichtungen Deutschlands. Sie beschäftigt derzeit mehr als 3400 Mitarbeiter und betreut rund 3000 Menschen in den Bereichen Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe. Bei einem Umsatz von 156 Millionen Euro konnte der Überschuss 2012 auf 655 000 Euro gesteigert werden, nahezu das Fünffache des Vorjahreswertes. Rainer W. During

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