Berlin : Kühe knietief im Wasser – und die Bauern im Pech

Im Südwesten Brandenburgs werden hohe Ernteverluste erwartet

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Nur mühsam ließen sich gestern mehrere Dutzend Mutterkühe von der Weide am Rande des kleinen Wiederau bei Herzberg treiben. Sie standen knietief im Wasser oder drängelten sich auf einer völlig durchweichten Fläche. Ringsum breiteten sich mehr oder weniger große Seen aus. Denn in der Gegend zwischen Schwarzer Elster, Kleiner Elster und der großen Elbe im Südwesten Brandenburgs konnten die Wiesen, Weiden und Felder die Wassermassen nach dem langen Regen nicht mehr fassen. Allein in Mühlberg waren innerhalb weniger Stunden 140 Liter pro Quadratmeter gefallen. Doberlug-Kirchhain und Bad Liebenwerda meldeten ebenfalls Mengen, die sonst gewöhnlich innerhalb von zwei Monaten gemessen werden.

Mit viel Geschick und einigen kräftigen Klapsen auf das Hinterteil der Kühe konnte die Herde bei Wiederau schließlich von den Bauern befreit und auf eine einigermaßen trockene Fläche gebracht werden. Gleich nebenan bot sich dem Betrachter ein sonderbares Bild. Auf den überfluteten Wiesen trieben mit Stroh gefüllte Plastikbehälter, während am Rande Störche ihr Futter suchten.

Auch die Elbe in Mühlberg im äußersten Zipfel des Landkreises Elbe-Elster hat längst ihr angestammtes Bett verlassen. Alle Wiesen und Weiden entlang des Flusses, die den Landwirten die besten Erträge bringen, sind überschwemmt. Das passiert zwar immer wieder mal. Aber diesmal drang das Wasser auch auf die weiter vom Fluss entfernten Roggen- und Weizenfelder vor. „Zehn Prozent unserer Ernte können wir abschreiben“, hieß es aus der Chefetage der Agrargenossenschaft Elbeland.

In den anderen Regionen des Landes ist es nicht besser. „Die Lage ist schlimm“, sagte der Geschäftsführer des Landesbauernverbandes, Wolfram Seidel. „In jeder Gegend stehen die Landwirte kopfschüttelnd am Rande ihrer Felder und können nichts tun. Vor ihren eigenen Augen geht alles kaputt.“ Sturm in den vergangenen Wochen und der starke Regen hätten die Getreidepflanzen teilweise so niedergedrückt, dass sie vom Mähdrescher nur unter großem Aufwand zu ernten seien. Mit jeder Stunde Nässe verschlechtere sich obendrein die Qualität des Getreides, das wohl nur noch zu niedrigen Preisen als Futtermittel verkauft werden könne.

Nach der Übersicht des Bauernverbandes sind im Brandenburger Durchschnitt erst 35 Prozent des Weizens und Roggens vom Feld. Normal sei für Mitte August ein Wert von 75 bis 85 Prozent. „Dadurch kommen bestimmt zahlreiche Betriebe in Zahlungsschwierigkeiten“, meinte Wolfram Seidel. „Denn sie haben die Bezahlung der meisten Rechnungen in den August und September gelegt.“ Jetzt fehle ihnen das Geld. Zusätzliches Trocknen und Säubern des Getreides erhöhe noch die Kosten. Deshalb will der Bauernverband Hilfen vom Land und von der EU-Agrarkommission erreichen. Claus-Dieter Steyer

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