Berlin : Kühle Köpfe im Freibad

Initiative „Cool am Pool“: Die Bäder-Betriebe wollen Gewalt am Beckenrand eindämmen

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Jipiieh! Damit der Badespaß im Prinzenbad möglichst ungetrübt bleibt, sind ab sofort 25 Konfliktlotsen hier und im Sommerbad Neukölln im Einsatz. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Jipiieh! Damit der Badespaß im Prinzenbad möglichst ungetrübt bleibt, sind ab sofort 25 Konfliktlotsen hier und im Sommerbad...

Berlin - Ein Gast im Schwimmbad fühlt sich von der lauten Musik seines Nachbarn auf der Liegewiese genervt, ein anderer bekommt einen Ball an den Kopf, und nebenan fangen Jugendliche eine Rangelei an: Solchen Vorkommnissen will die Initiative „Bleib cool am Pool“ entgegentreten.

Mit 25 ehrenamtlichen Konfliktlotsen ist das Projekt am Dienstag angelaufen, das Prinzenbad in Kreuzberg und das Sommerbad Neukölln sollen dadurch sicherer werden. Nach den Vorkommnissen des Jahres 2010 wollen die Bäder-Betriebe Konflikte entschärfen, bevor sie entstehen.

Im Vorjahr waren beide Freibäder in die Negativ-Schlagzeilen gekommen, weil sie kurz nacheinander von der Polizei vollständig geräumt werden mussten. „Wir haben überreagiert, ernsthafte Schlägereien waren es in beiden Fällen nicht“, sagt Bäderchef Klaus Lipinsky. „In Neukölln sind von 146 Betriebstagen 145 ohne Polizeieinsatz abgelaufen, nur einmal wurden die Beamten geholt – dafür aber ordentlich, gleich mit einer Hundertschaft.“

„Bleib cool am Pool“ ist eine gemeinsame Initiative der Bäder-Betriebe, der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit und der Polizei. Deren Präventionsbeauftragter Michael Lisowski hat die viermonatige Ausbildung der Konfliktlotsen begleitet. Von anfangs 40 Teilnehmern haben 15 sie nicht erfolgreich beendet. „Aussieben ist ein hartes Wort, aber das musste sein“, sagt Polizist Lisowski. Vor allem das Training für brenzlige Situationen stand auf dem Programm, aber auch Bademeister-Fähigkeiten und die Vermittlung von Freundlichkeit und Toleranz wurden geübt.

Einer der frisch ausgebildeten Konfliktlotsen ist Sinan Gün. Er sagt, er wolle „etwas in der Gesellschaft verändern“. Der 26-Jährige ist schon seit 2008 als Kiezworker in Kreuzberg aktiv, viele der Teilnehmer haben bereits ähnliche Erfahrungen gesammelt. Gün sagt, Kreuzberg sei in den letzten Jahren immer sicherer geworden. „Aber Konflikte gibt es immer noch, dafür sind wir da.“

Sport-Staatssekretär Thomas Härtel (SPD) sagt, die Lotsen sollten keine bereits vorhandenen Sicherheitsleute ersetzen, sondern deren Arbeit ergänzen. „Rücksichtnahme, Zurückhaltung, Gewaltfreiheit“, gibt Härtel als Parole aus. Auch die professionellen Mitarbeiter, die für Sicherheit sorgen, sollen „nicht so martialisch wie bisher auftreten“, sagt Bäderchef Lipinsky. Nik Afanasjew

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