Berlin : Kühles Germanien

Werbeleute fragten sich: Ist die „Marke Deutschland“ zu retten?

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Dank Tony Blair heißt Großbritannien heute „Cool Britannia“. Die USA locken Ausländer seit Generationen mit dem „American Way of Life“. Und Deutschland?

„Made in Germany“ jedenfalls zieht nicht mehr zumindest nach Meinung der Organisatoren des Kongresses „Marke Deutschland“. Die Hessische Werbeagentur „Accenture“ hatte am Donnerstagabend in die Johannishöfe hinter dem Friedrichstadtpalast geladen, und knapp 300 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Medien und Gesellschaft folgten dem Ruf, um bei Schnittchen und Sekt über das Image der Republik zu reden.

Hilmar „Peanuts“ Kopper, mittlerweile Bundesbeauftragter für Auslandsinvestitionen, bemühte in seinem Vortrag den Aphorismen-König Lichtenberg: „Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen?“

Die anschließende erste Podiumsdiskussion brachte darauf keine Antwort. Thomas Voigt, der hektische Impulse-Chefredakteur, zog ein paar Lacher auf seine Seite, als er den Mittelstand als „die Semperoper der deutschen Wirtschaft“ bezeichnete – aber sonst kam bei dem Gespräch wenig heraus.

Alles schien nur auf Sandra Maischberger zu warten, die erst um kurz vor acht anrauschte, um das zweite Podium zu moderieren. Den USA-Korrespondenten der „Welt“ Wolfgang Harrer ließ sie lange darüber schwadronieren, welche Vorreiterrolle Deutschland spielen könnte, wenn es nur nicht so viele Besitzstandswahrer gäbe.

Als am Ende ein amerikanischer Unternehmer aus dem Publikum über die mangelnde Begeisterungsfähigkeit der Deutschen klagte, probte sein Sitznachbar den Aufstand: „Willst du die Deutschen begeistern, dann zettle eine Revolution an!“ Daraus wurde aber an dem Abend nichts. Stattdessen gab’s nur mehr Schnittchen. cba

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