Kündigung : Galerie C/O Berlin muss Postfuhramt verlassen

Die bekannte Galerie C/O Berlin muss das Postfuhramt in Mitte verlassen. Die Nachricht kam pünktlich zum Jubiläum.

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Repräsentativ. Das unter Denkmalschutz stehende kaiserliche Postfuhramt an der Oranienburger Straße beherbergt seit 2006 die auf Fotografie spezialisierte Galerie „C/O Berlin“. Foto: Mike Wolff
Repräsentativ. Das unter Denkmalschutz stehende kaiserliche Postfuhramt an der Oranienburger Straße beherbergt seit 2006 die auf...

Das Postfuhramt an der Oranienburger Straße in Mitte steht kurz vor dem Verkauf an einen neuen Investor. Den Mietern wurde vorsorglich gekündigt. Das gab am Dienstag die renommierte Fotogalerie C/O bekannt, die als einer der Ansässigen das Gebäude verlassen muss und somit nun vor der Suche nach einem neuen Standort steht.

Ende letzter Woche fand nach Auskunft von C/O ein Treffen mit dem derzeitigen Eigentümer, dem israelischen Investor Adi Keizman, statt. Er ist Betreiber einer Holding mit verschiedenen Firmen, deren Hauptsitz sich in Wien befindet. Keizman hatte das Postfuhramt vor fünf Jahren für 13,5 Millionen Euro von der Deutschen Post gekauft, um es zu einem „urbanen Ort für Wohnen, Kultur, Handel, Events und Freizeit“ umzubauen. Die Fotogalerie war zentraler Bestandteil dieser Vision. Nun bat Keizman die drei Gründungsmitglieder von C/O – den Fotografen Stephan Erfurt, den Designer Marc Naroska und den Architekten Ingo Pott – zum Gespräch. Er teilte ihnen mit, dass das bisherige Konzept mit dem Verkauf an den neuen Investor hinfällig sei.

„Die Nachricht kam in ihrer Schnelligkeit für uns überraschend“, sagte Galerie-Sprecher Mirko Nowak auf Anfrage. Nur nach zähen Verhandlungen habe man eine Bleibefrist bis zum 31. März 2011 gewährt bekommen. Die Kündigung kommt für die Betreiber zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Sie platzt mitten hinein in die Vorbereitungen zum zehnjährigen Jubiläum im Juli. Es soll mit einer Ausstellung der renommierten Foto-Agentur Magnum gefeiert werden, im Anschluss daran steht eine Schau mit Werken von Peter Lindbergh auf dem Programm. Nowak betonte jedoch, dass die Kündigung vorerst keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb habe, „aber was ab März kommt, ist offen“. Noch bis Sonntag zeigt C/O Arbeiten der Berliner Fotoagentur Ostkreuz.

Wer der neue Investor ist und welche Pläne er verfolgt, ist bislang nicht bekannt. Auch Adi Keizman, der über weitere Immobilien in Dresden und Leipzig verfügt, trat erst eine Weile nach dem Erwerb öffentlich in Erscheinung. Er beabsichtigt bereits seit einiger Zeit, das Postfuhramt zu verkaufen – anfangs für angeblich über 30 Millionen Euro. Für diese Summe fand sich jedoch kein Interessent, weshalb der jetzige Verkaufspreis wohl deutlich niedriger liegt.

Details zur Zukunft des Postfuhramts werden vielleicht am Freitag bekannt gegeben. Dann laden die C/O-Gründer zur Pressekonferenz, jedoch nicht im Beisein Keizmans. Derzeit führen sie Gespräche mit dem Bezirk, um einen alternativen Standort zu finden. Die neuen Räume müssen gewisse Kriterien erfüllen: Sie sollen über eine Ausstellungsfläche von 2000 Quadratmetern und entsprechende Klimatechnik verfügen. Die konnte der bisherige Standort nicht bieten, was die Arbeit teilweise einschränkte.

Betroffen von der Kündigung ist auch der Rodeo Club mit seinem Restaurant. Er nutzt den Kuppelsaal im oberen Teil des Gebäudes.

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