• Künftig soll das Abitur bereits in 12 Jahren erreichbar sein, schlägt eine SPD-Kommission vor

Berlin : Künftig soll das Abitur bereits in 12 Jahren erreichbar sein, schlägt eine SPD-Kommission vor

sik

Sowohl SPD-Fraktionschef Klaus Böger als auch SPD-Spitzenkandidat Walter Momper haben sich gestern für eine Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre bis zum Abitur ausgesprochen. Bei der Vorstellung eines Berichtes "Schule in Berlin", den eine Kommission von Bildungsexperten im Auftrag der SPD-Fraktion erarbeitete, sagte Momper: "Ich bin ein Überzeugungstäter für die Verkürzung der Schulzeit." Böger sagte: "Wir werden weiter an dem Brett Schulzeitverkürzung bohren." Die Kritik der Kommission am Express-Abitur mit Schnellläufer-Klassen wollte Böger nicht teilen. Dies werde man nicht sofort aufgeben: "Denn viele Wege führen nach Rom."

Die Kommission, in der der frühere sächsische Bildungsstaatssekretär Wolfgang Nowak als Vorsitzender, der Berliner Gymnasialdirektor Wolfgang Harnischfeger sowie der Schulpolitiker Tom Stryck und die beiden Professoren Peter Hübner (Berlin) und Jürgen Baumert (Bremen) saßen, hatte sich gegen die Schnellläuferklassen ausgesprochen. Gleichwohl könne man in zwölf Jahren zum Abitur kommen, wenn man auf die bisherige elfte Klasse verzichte. Um den Bedürfnissen aller Schüler gerecht zu werden, soll aber an bestimmten Schulen nach wie vor in 13 Jahren Jahren zum Abitur geführt werden.

Der Kommissionsvorsitzende Nowak verwies darauf, dass auch an Gymnasien nach der zehnten Klasse ein Befähigungsnachweis zum Abitur erbracht werden solle. Ohnedies sollten die Schulen vielmehr Qualitätsnachweise und Rechenschaft über ihre Leistungen erbringen. Die Kommission kam weiter zu dem Schluss, dass an der sechsjährigen Grundschule in Berlin festgehalten werden kann, wenn in den fünften und sechsten Klassen vor allem in Fächern wie Deutsch, Mathematik und den Naturwissenschaften stärker nach Leistung differenziert wird. Nach Bögers Auffassung hat Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) mit ihrem Projekt "Grundschule 2000" bereits gute Grundlagen für eine Reform gelegt. Stahmer war nicht in dem Gremium vertreten.

Die Bildungsexperten empfahlen weiterhin, den Ausländeranteil in Schulen auf 40 Prozent zu begrenzen, auch wenn dies nicht überall machbar sei. Außerdem müssten die bisherigen Förderungsmittel für ausländische Schüler überprüft werden, sagte Nowak. Ein stärkeres Augenmerk soll die Schulpolitik auch auf die gut 10 Prozent der Schüler richten, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Beim Religionsunterricht empfahl die Kommission ein Festhalten an der bisherigen Regelung. Fragen der Ethik sollten aber auch fächerübergreifend Eingang in die Curricula finden.

Als konsensfähig sah die schulpolitische Sprecherin von Bündnis 90 / Grüne, Sybille Volkholz, die Kommissionsempfehlungen, sowohl bei den Positionen zur sechsjährigen Grundschule, zur Ausgestaltung der Oberstufe und zur Förderung ausländischer Kinder, als auch bei der Haltung zum Religionsunterricht. Sie forderte, bald die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

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